Asthma - der verlorene Atemrhythmus
 
Der Hauch unsers Lebens bestimmt unseren Rhythmus, unsere Zeitvorstellung, unsere Bewegung und sogar unser Denken. Wer aus seinem Rhythmus gekommen ist und das richtige Atem verlernt hat, verliert den Bezug zum Leben. Deswegen sollten Asthma-Patienten erst mal lernen, wieder richtig zu atmen.

Was ist der Unterschied zwischen Gott und den Menschen?
Gott weiß alles,
die Menschen wissen alles besser.


Dieser witzig gemeinte Ausspruch hat einen tiefen Ernst und kommt mir bei Asthmapatienten besonders in den Sinn. Nicht, dass sie offensichtlich oder gar absichtlich Gott ausboten wollen, nein, unsere menschliche arrogante Ignoranz, zu meinen, ohne Lebensrhythmus auskommen zu können, findet unterbewusst statt. Asthmapatienten sind feine, sensible, künstlerische, philosophisch und spirituell „angehauchte“ Persönlichkeiten, die unterschwellig die enorme Kraft haben, ständig dem Tod ins Auge zu schauen. Atem ist Leben. Das erste Zeichen von Lebensfähigkeit zeigt das Neugeborene, wenn es den Mutterleib verlassen hat und den ersten selbständigen Atemzug vollzieht - dann auf geheimnisvolle Weise wird durch die Lichtverhältnisse auf unserer Erde das Atemzentrum im Gehirn eingeschaltet, und der Mensch entwickelt sich zu einem solaren oder lunaren Atemtyp.

Solar oder lunar - die Menschen unterscheiden sich nach zwei verschiedenen Atemtypen

Das erste Zeichen von Exkarnation zeigt sich später darin, dass sich der Energiekörper aus dem materiellen Körper herauszieht und die äußere Atmung aufhört. Dazwischen atmen wir - irgendwie, unachtsam, flach, gehetzt. Der Atem gilt den meisten Menschen als etwas Selbstverständliches, um das man sich nicht kümmern muss. Man atmet halt irgendwie und seufzt, dass alles so schwer ist, stöhnt, wie mühselig das Leben ist, pustet beim Joggen, keucht an der Muskelaufbaumaschine, singt höchstens zu Weihnachten den Kindern zuliebe, hechelt, um pünktlich zu sein, flötet im Keller gegen die Angst vor der Dunkelheit, unterdrückt den Schrei des Widerwillens, prustet nicht mehr vor Lachen, um nicht aufzufallen, weint und schluchzt lieber heimlich, spricht belangloses Zeug, bekommt schließlich Asthma, wenn alles zu viel ist, und pfeift schließlich aus dem letzten Loch.

Asthma und Allergien


Sprachbilder des Atems

Kommt uns das nicht bekannt vor? Unsere Sprache ist durchdrungen von Begriffen, die ausdrücken, wie wir mit dem kostbaren Lebenselixier, dem Atem, umgehen. Alles, was wir tun, wird vom Atem gesteuert, wir merken es nur meistens nicht. Sprache ist ohne Atem nicht möglich. Patienten denen irgendetwas in ihrem Leben die „Sprache verschlagen“ hat, sind in einer sogenannten „Regulationsstarre“, aus der sie oft aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen. Mit der Möglichkeit, wieder zum eigenen Atem zu kommen, kehren Lebensrhythmus und Lebensfähigkeit wieder ein.



Zeit zum Atmen

Wir kommen nicht umhin, Asthma und Atem gemeinsam zu betrachten. Atem hat auch viel mit unserer Zeitvorstellung zu tun. Seit Beginn der Industrialisierung im ausgehenden 18. und erst recht im 19. Jahrhundert wurden Arbeitsabläufe ebenso zerstückelt wie der Zeitfluss. Indem überall Uhren angebracht wurden, pflanzte sich in unserem Bewusstsein die wahnhafte Idee ein, Zeit sei eine Rarität, die man einteilen müsse, die man schnell verlieren könne und vor allem immer weniger habe.

Mit der Industrialisierung verändert sich auch der Rhythmus der Menschen: Sie atmen im Takt der Maschinen.

„Keine Zeit haben“ ist das Erbe der Kulturepoche des Bürgertums. Aber eigentlich muss es heißen: „Keine Zeit machen“, denn die messbare Zeit erschafft sich jeder selbst.



Atem hat viel mit unserer Zeitvorstellung zu tun

Damals begann die große Atemlosigkeit als Ausdruck eines Zeitgeistes. Und dieses epochale Bewusstsein erschuf sich die passende Seuche: die Tuberkulose, vor allem die Lugentuberkulose. Sie ist der Elendschatten des früheren Kapitalismus und Ausdruck des Miasmas, des epochalen Bewusstseins. Dessen wichtigste Symptome sind die Atemlosigkeit und als Folge des monotonen Geräuschs der Maschinen die verheerende Störung und Gleichschaltung von Ein- und Ausatem. Phrasen wie „Time is money“ siegten über solche altmodischen Begriffe wie „Zeit und Muße“. Eine laufende Maschine musste von Menschen gefüttert werden. Also musste der Mensch sich dem stupiden Rattern von Maschinen anpassen. Der unbarmherzige „Beat“ mit seinem gleichförmigen, mechanischen Schlag trat an die Stelle von Rhythmus.



Die Kraft des Rhythmus

Rhythmus hat etwas mit Proportion zu tun. Der Atemrhythmus beim gesunden Menschen verläuft wie alle Naturrhythmen in der Proportion 3:1. Drei Zeiteinheiten atmen wir aus, eine Zeiteinheit atmen wir ein. Jeder hat schon bei sich selbst erlebt, dass Kurzatmigkeit mit Angst, Unruhe, Nervosität, schneller Verärgerung und Affekthandlung verbunden ist.

Seit den Frühtagen des Maschinenzeitalters sind wir ständig außer Atem und rennen der zerstückelten Zeit hinterher. Ich wundere mich über jeden Mensch, der nicht im asthmatischen Zustand endet. Ich möchte sogar sagen, daß die meisten Menschen asthmatisch sind, ohne dass sie es merken.

Solar oder lunar

Ein wichtiges Indiz ist die immer niedriger werdende Streßschwelle. Schon die geringsten Anstrengung löst bereits den Überlebensmodus „Kampf und Flucht“ aus, der den Organismus mit Adrenalin und Noradrenalin überschwemmt, die Atemfrequenz erhöht, den Menschen in die spannungsgeladene sympathikotone Verfassung katapultiert, ganz so, als müssten wir unser Leben retten. Diese äußerst sinnvolle Einrichtung der Natur wird durch unrhythmische Lebensweise derart überstrapaziert, dass schon Bagatellen in die totale Atemlosigkeit und in kollapsähnliche Zustände führen. Das Geheimnis liegt nicht darin, weniger zu arbeiten, sondern im Rhythmus. Wenn wir erleben, wie schwere Arbeit bei Naturvölkern gemeistert wird, springen die rhythmischen Bewegungen ins Auge.



Asthma - Die Atemlosigkeit

Das, was wir medizinisch als Asthma, als akute und chronische Atemnot bezeichnen, ist nur ein kleines Feigenblattetikett, das mit Mühe den langen Prozess der Atemlosigkeit im Leben bedeckt.


Atemnot hat mit Todesangst zu tun

Atem ist Leben, Leben ist rhythmische Bewegung. Alles in unserer Natur schwingt in unzähligen Rhythmen, die alle perfekt zusammenklingen, besser als jedes Spitzenorchester der Welt. Wir Menschen haben die zweifelhafte Meisterschaft darin erlangt, möglichst viele Rhythmen der Natur zu zerstören. Wir müssten gar nicht den hohen Anspruch erfüllen, immer im „Einklang“ mit der Natur zu leben, weil ein paar Dissonanzen ein Musikstück durchaus würzen. Einmal pro Tag bewusst atmen, einmal pro Tag die Seele mit etwas Sinn-vollem und Nutz-losem ernähren, bewirkt mehr als stundenlange Meditation, Askese und Selbstkasteiung.



Typologie der Asthmapatienten

Asthmapatienten erlebe ich als feinsinnige, spirituell interessierte Menschen. Sie wenden sich vielleicht dem Yoga, dem Schamanismus, dem Zenbuddhismus oder einer anderen Richtung der Bewusstseinserweiterung zu, um die innere Unruhe zu zügeln. Manche gehen auch in eine Atemschulung. Sie haben ein feines Gespür für den Weg aus der Atemnot.

Es ist eigentlich nur noch ein kleiner Schritt notwendig, um zum Wesentlichen vorzudringen, nämlich aus tiefster Seele zu begreifen, dass Atem Bewusstsein ist und ein Bewusstsein sich in dem Maße erweitern kann, wie das tägliche Leben von einem schwingenden Rhythmus bestimmt wird. Jede Körperbewegung ist sichtbar gemachter Atem, jede Gefühlsäußerung ist sichtbar gemachter Atem.

Asthmapatienten verordne ich eine einfache, uralte Atemmeditation, die im Buddhismus die Grundlage jeder Schulung bildet: Täglich zehn Minuten stillsitzen und je nach Atemtyp die Ein- oder Ausatemzüge immer wieder von 1 bis 10 zählen. Das Atemzügezählen diszipliniert Atem und Bewusstsein und verändert etwas an der Wurzel unter den zahllosen Symptomen, die mit Asthma einhergehen.


Wenn es um den Atem geht, geht es um die Frage, ob und wie jemand das Leben annimmt

Wenn ich von der Krankheitswurzel spreche, meine ich genauer das tuberkuline Miasma, das unter den Asthma-Arten schwelt. Atemnot hat mit Todesangst zu tun. Dies führt zu der erwähnten Regulationsstarre, die sich beim Patienten auch darin zeigt, dass er in seinem Leben einseitig auf etwas fixiert ist, eine gehörige Portion Fanatismus aufbringt und zur geistigen Starre neigt. Einseitigkeit im Denken zerstört den Lebensrhythmus und äußert sich auch in einem flachen, kurzen Atem. Die große innere Unruhe, die verständlich ist, weil der Organismus dauernd um Überleben kämpft und in der sympathikotonen Spannung festhängt, führt zu noch mehr Unregelmäßigkeiten im Atem und Leben.

Das Problem ist die Atemnot, die Lösung liegt in der Befreiung des Atems, und diese Befreiung fasse ich weit über den physiologischen Atemfluss hinaus. Es kann zwar sein, dass ein Asthmapatient auch nur durch die Gabe eines homöopathischen Mittels wie Kalium carbonicum, Kalium jodatum, Nux vomica, Sambucus, Natrium sulfuricum, Moschus, Causticum, Lobelia, Rumex, Senega, um nur ein paar Highlights zu nennen, wieder zu Luft kommt und zur Einsicht, dass er im Alltagsleben wieder rhythmisch werden muss, aber das ist nach meiner Erfahrung die Ausnahme. Bei Asthmapatienten sind trotz aller Feinsinnigkeit und Spiritualität die Instinkte für Gefahr und Angst geschwächt, wenn nicht verloren gegangen. Die ständige Sympathikotonie verstärkt körperlich die Atemnot nach winzigen Auslösern und führt mental zu einer Art Lähmung - die Kehrseite von zu viel Spannung.


Keine Luft mehr zu bekommen zum Atmen - Asthmapatienten blicken oft dem Tod ins Auge

Kommt zum Asthma noch Allergie hinzu, ist der Tod bereist zum willkommenen Gast avanciert. Allergie - damit meine ich keine Lebensmittelunverträglichkeit! - ist das Alibi, nicht leben zu müssen. Ich weiß, dass das weder die Allergologen noch die Allergie- und Asthmapatienten gerne hören, doch entkleide ich Krankheitsbilder immer ihrer kosmetischen Außenfassade und schaue auf die Wurzel. Wenn es um Atem geht, geht es um die Frage, ob und wie jemand das Leben annimmt oder nicht. Es geht um Leben und Tod.

Solar oder lunar


Die Intelligenz des Körpers

Ich kenne keine Krankheit, die nicht mit einer Veränderung des Atems zu tun hat, mit einer Verflachung und mangelnder Rhythmik. Dennoch wird nicht jeder ein Asthmapatient, weil dazu noch die Komponente des angeborenen Schwachpunkts kommt. Ich nenne es die Achillesferse, das Reaktionsfeld unter Stress und Druck. Der Asthmapatient hat es doppelt schwer, weil er ausgerechnet über das Atemsystem reagiert und sich deshalb mehr Todesangst aufbaut, die permanent kompensiert werden muss, um nicht gleich zu sterben.

Die Einrichtung der Kompensation ist ein Geniestreich der Natur, indem sie einen Organismus veranlasst, eine lebensbedrohende Belastung auf die weniger wichtigen Organe zu verlagern. Ist zum Beispiel die Leber, also ein lebenswichtiges Organ, betroffen, so kann der Organismus über die Haut oder über die Milz oder Galle kompensieren. Bei allen Kompensationsmustern bleibt der lebensnotwendige Atem erhalten.

Anders bei Lungen- beziehungsweise Atemproblemen. Die Lunge ist das lebenswichtige Organ; von dort aus kann übers Schwitzen und Fieber zwar kompensatorische Erleichterung möglich sein, aber die Atemnot bleibt. Dieser verhängnisvolle Zustand gleicht einer Sackgasse, aus der das Unterbewusstsein des Patienten nur einen Ausweg sieht: den Körper zu verlassen, zu entschwinden, unterstützt durch das Bewusstsein, das im Tod die Erlösung sucht und findet.

Total solar eclipse



Häufige Krankheitsursache: Falsches Atmen

Häufig genug geht Asthma auch noch mit Herzerkrankungen einher, so dass gleich die beiden wichtigsten Rhythmusinstrumente des Körpers, Lunge und Herz, desolat sind. Nach meiner Erkenntnis ist es daher wichtig, außer den Arzneimitteln genau anzuschauen, welcher Konflikt, welcher Unterdrückungsmechanismus die Ursache ist.

An vorderster Stelle steht die Unterdrückung von Hautausschlägen (Helfer: Graphites, Mezereum, Rhus tox), Schwitzen (Sambucus), Fieber (Tuberkulinum), Mensis (im Hochleistungssport! Zincum metallicum), denn hier sind die natürlichen Ventile eines Organismus eliminiert worden, so dass die Krankheit von der Peripherie in die Tiefe, an ein lebenswichtiges Organ gesunken ist.


Gegen alles, was das Leben auszeichnet, allergisch zu reagieren heißt, den Atem zu verlieren

Die hausgemachten Atemnotstände durch mangelnde Atempflege, mangelnden Lebensrhythmus, mangelnde Seelennahrung sorgen zusätzlich dafür, dass es immer mehr Krankheiten gibt, immer komplexere Krankheitsgeschehen und immer immunschwächere Menschen, die schon beim Duft einer Blüte kollabieren. Gegen alles, was das Leben, was die Fülle des Lebens auszeichnet, allergisch reagieren heißt, den Atem verlieren und dem Tod entgegen rasen.

Die allgemeine Atemlosigkeit hat beispielsweise zu den Hundertstelsekunden im Sport geführt, zum Jugend- und Fitnesswahn. An jedem Jahresende höre ich: „Mein Gott, ist die Zeit schnell vergangen, ist das Jahr im Flug vorbei gerast!“

Es will mir scheinen, dass die meisten Menschen es eilig haben zu sterben, darum die Unrast, die Atemlosigkeit, die Kraftlosigkeit und das ständige Gefühl, etwas zu verpassen, die immer schwächer werdende Konzentrationsfähigkeit. Durchhaltevermögen, Ausdauer muss an Apparaten trainiert werden, die mich eher an Folterkammern der Inquisition erinnern als an Heilwerdungsräume.



Der Atem der Therapeuten

Für jeden Therapeuten ist es wichtig zu wissen, dass sich Atemenergie sofort und unmittelbar überträgt. In der Sterbebegleitung spielt die Atemübertragung eine zentrale Rolle. Doch gilt das auch für die normale Praxisarbeit. Hat der Therapeut einen langen Atem und atmet tief weiter, während der Patient sein Klagelied „singt“, überträgt sich Ruhe und Zuversicht. Der Patient verliert einen Großteil seiner Angst und Panik und entspannt sich durch den Atem des Therapeuten.



Therapiemöglichkeiten

In zweiter Linie kann jeder Therapeut sein reiches Arsenal von atemspezifischen Heilmitteln anwenden. Ich möchte drei repräsentative Fallbeispiele vorstellen, um zu veranschaulichen, wie unterschiedlich der Heilungsimpuls sein kann.



1. Fernheilung

Eine Dame berichtete von einem Neugeborenen in ihrer Verwandtschaft. Das Mädchen konnte nach der Geburt nicht selbstständig atmen, wurde somit künstlich beatmet. Im Krankenhaus wurde eine homöopathische Behandlung abgelehnt. Auch die Eltern des Kindes glaubten nicht an die Wirkung von Homöopathie. Folglich blieb nur die Fernheilung als akute Hilfe. Unser Heilerzirkel (8 Personen) traf sich noch am selben Abend. Wir taten nichts anders, als mental einen Tiefatemrhythmus zu übertragen. Am nächsten Morgen erhielten wir die Nachricht, dass das Kind ab 4:30 Uhr (Lungenmeridianzeit! selbständig geatmet habe. Um 6:00 Uhr wurde die künstliche Beatmung eingestellt, um 11 Uhr konnten die Eltern das Kind mit nach Hause nehmen. Seither hat sich das Mädchen ganz normal entwickelt.



2. Heuschnupfen

Eine junge Frau von 38 Jahren kam wegen alljährlichem Heuschnupfen mit Asthma in meine Praxis. Da sie schon bei geringster Anstrengung in hysterische Atemnot geriet und in ihrer Familie Tuberkulose des Öfteren vorgekommen war, verordnete ich zunächst Tuberkulinum C30 und Blatta orientalis C30. Da die Patientin selbst Homöopathin ist, geriet sie in helle Panik, als sie erfuhr, dass „Blatta“ die potenzierte, aber ekelige Kakerlake ist. Sie rang nach Luft und sagte keuchend: „Lieber sterbe ich, als dass ich die Kakerlake einnehme.“

Ich atmete tief und antwortete: „Das beeindruckt mich nicht. Es liegt in ihrer Verantwortung zu sterben oder zu leben.“ Schlagartig hörte die Patientin auf zu keuchen, starrte mich an und atmete dann gemeinsam mit mir ruhig und gleichmäßig.

Da ich in Indien monatelang mit riesigen Kakerlaken zusammenleben musste und lernte, dabei einen ruhigen Atem zu bewahren, sandte ich der Patientin mental eines der schönen glänzenden fetten Kakerlakenexemplare. Sie wurde ganz ruhig, atmete gleichmässig und musste plötzlich lachen und husten. Sie besorgte sich tatsächlich Blatta C30 und nahm dazu die Nosode Tuberkulinum. Daraufhin hatte sie einen Traum aus der Schwangerschaftszeit ihrer Mutter. Sie sollte ein Junge werden. Als sie geboren war, waren alle enttäuscht. Die Patientin spürte, wie sie aus Wut die Luft anhielt, und hörte das Geschrei, weil sie blau anlief. In rasender Eile gelangte sie ins Krankenhaus. Sie beschloss, nicht zu leben, atmete so wenig wie möglich und verweigerte die Muttermilch. Dieser luzide Traum brachte der Patientin die Ursache ihres Asthmas und der Pollenallergie zu Bewusstsein. Sie hatte nun eigene Ideen, wie sie ihrem Leben einen individuellen Rhythmus verleihen konnte. Im Folgejahr der Behandlung tauchte noch einmal ein Anflug von Asthma und Allergie für 2 Tage auf, aber danach nicht wieder. Die Patientin ist jetzt seit 4 Jahren beschwerdefrei. Sie hat nicht nur Arzneien geschluckt, sondern an ihrem Selbstausdruck gearbeitet und gelernt, die Fülle ihres Lebens anzunehmen.



3. Solarer und Lunarer Atemtyp

Eine Atemtherapeutin, die auch kinesiologisch und als Yogalehrerin in ihrer Praxis arbeitet, kam wegen nächtlicher Atemnot zwischen 3 und 15 Uhr, also zur Organzeit des Lungenmeridians. Sie hatte schon sehr viele hoöopathische Mittel bekommen, die alle nur für kurze Zeit wirkten. In der ausführlichen Anamnese erfuhr ich, dass sie beim Ausatmen in Panik geriet, nicht mehr genügend Luft zum Einatmen zu bekommen. Ich bat sie, mir zu zeigen, wie sie bewusst atmet. Es stellte sich heraus, dass sie den Yoga-Tiefatem beherrschte, das heißt die Betonung des Ausatmens und die Verlagerung des Atemschwerpunkts in den Beckenboden. Sie atmete und verhielt sich in den verschiedenen Körperbewegungen wie ein solarer Ausatmer. Aber ihr Geburtsdatum wies wie eindeutig als lunaren Einatmer aus, das heißt, der Einatem wird leicht betont, der Ausatem unbetont einfach entlassen. Dabei wird der Körperschwerpunkt in den Beckenboden, der Atemschwerpunkt jedoch in die Gegend des Rippenbogens verlagert. Bein Einatmen wird der Brustkorb gedehnt (lunarer Atem erfüllt das Dehnungsprinzip), während der Unterbauch vollkommen in Ruhe bleibt. Die Atemtherapeutin wehrte sich zu Anfang gegen diese Atmung, weil sie ihr noch mehr Atemnot bereitete. Nun weiß ich aber, dass der angeborene Atemtyp die größere Heilkraft hat, weil der Körper sich schnell daran erinnert, in welchem Rhythmus aufgrund der irdischen Lichtverhältnisse das Atemzentrum bei dem Austritt des Kopfes aus dem Geburtskanal angeregt wurde. Deshalb bestand ich auf der lunaren Atemübung und gab erst nach einer Woche Nux vomica C30 (Atemnot 3-5 Uhr). Da die Patientin eine versierte Atemtherapeutin war und ihr nur der Glaubenssatz, was Tiefatem bedeutet, im Wege stand, merkte sie sehr bald eine vollkommene körperliche und geistige Wandlung durch die Betonung des Einatmens und das Fließenlassen des unbetonten Ausatems.



Die Naturgesetze der Atempolarität

Die Atempolarität solar-lunar ist keine Erfindung des Menschen, sondern ein Naturgesetz und Ursache für die Naturrhythmen, Sonne und Mond sorgen für den Lebensrhythmus, wobei der Mond das dehnende und dynamisch-bewegliche Lebensprinzip steuert und die Sonne das vertikal streckende (Längenwachstum) und statisch-stabile Lebensprinzip. Beide Wirkkräfte, die auch die Lichtverhältnisse erzeugen, stehen in Bezug zur Erde, die daraus die natürlichen Rhythmen erschafft. Beim Menschen ist die Atempolarität dank des komplexen Gehirns und Atemsystems besonders gut und deutlich ausgeprägt. Ein gesunder Rhythmus zeigt sich grundsätzlich im Wechsel von Hebung und Senkung, von  Betonung und Loslassen. Daher ist ein gesunder Atemrhythmus entweder einatembetont oder ausatembetont. Durch das Geburtsdatum lässt sich ganz einfach feststellen, ob jemand von Natur aus ein Einatmer oder Ausatmer ist, je nachdem, in welcher Proportion und Intensität die Lichtverhältnisse auf der Erde im Moment der Geburt waren.


Levitating Stone
(Hinzugefügt) 
Ein ständiger Verstoß gegen den Grundrhythmus lunar oder solar bringt typische Krankheitsbilder hervor, die wir umständlich und mit einem Riesenarsenal von Medikamenten, Atem- und Physiotherapien behandeln, immer unter der falschen Prämisse, dass es nur EINE richtige Atemweise gibt. Doch das Wissen um die Atempolarität ist uralt. Die Inder bauten darauf ihre vielen Yogawege auf, die Buddhisten ihre Bewusstseinsschulung und die Chinesen ihre Medizin. Im Westen ist die Atempolarität jedoch erst seit 50 Jahren bekannt.



Damit schließt sich der Kreis, und wir sind wieder am Anfang zu fragen:

Was ist der Unterschied zwischen Gott und den Menschen?
Gott weiß alles, die Menschen wissen alles besser!

Die eigene Spezies lieben heißt, einen langen Atem zu entwickeln.


Quelle: Raum&Zeit Nr. 129. 22. Jg. Mai/Juni 2004. s.62-67.
E N D E



Erstellt August 2006. Update 22. April 2007
© Medical-Manager Wolfgang Timm
Fortsetzung
Die  Kronen symbolisieren die höhere Natur in jedem Menschen, sein individueller potentieller innerer Adel. Jedermann ist verpflichtet seinen inneren Adel nach Albrecht Dürer und Carl Huter zu heben.
Von HP Dr. phil. Rosina Sonnenschmidt, Baden Baden    Bearbeitung Medical-Manager W. Timm
 
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