Menschenkenntnis Lehrbrief V. 12. Teil des Lehrstoffes - Part 56
 
Hauptwerk 1904-06. Carl Huter
Bearbeitung: Medical-Manager Wolfgang Timm

FORTSETZUNG

M. Die physiognomischen Merkzeichen der Gesundheit und der Krankheit, des Irrsinns und der Geisteskraft, von Tugend und Verbrechen.

Wer diese Lehre zu seinem geistigen Eigentum gemacht hat, weiß, wie vieles im Gesicht zum Ausdruck kommt, und daß dieses wichtige Natur- und Geistesgesetz nur von einem Toren oder Uneingeweihten geleugnet werden kann oder vielleicht auch von Verbrechern, die selber am meisten davon überzeugt sind und es uns aus wohlberechneten Interessen bestreiten, weil ihnen die Menschenkenntnis als die größte Waffe gegen sie selbst, gegen Laster und Untugend aller Art, erscheint. In beigegebenen Abbildungen auf Seite 224 überzeuge man sich von der Tatsache, dass Krankheit die Körperform verändert, dem Gesicht einen kranken, häßlichen und leidenden Ausdruck gibt, und daß die Heilung von der Krankheit dem Gesichte einen schöneren, lebensfroheren Ausdruck verleiht, die den Stempel des höheren Wohlbefindens trägt. Gesundheit ist Schönheit und Wohlbefinden. Krankheit ist Häßlichkeit und Leid.

Da Irresein, Blödheit, Ideenpein und dergl. das seelische Empfinden aus dem Gleichgewicht bringt, so ist auch beim Irresein der Zug des Stupiden, Häßlichen typisch und bei dem vernünftig Denkenden ist die Harmonie der Ideen und Gefühle auch im Gesichtsausdruck erkenntlich. Desgleichen haben gute Menschen einen guten, böse einen bösen oder abstoßenden Ausdruck. Man sehe sich daraufhin die Bilder Seite 224, die ethische Schönheit als das Ideal der Gesundheit, Vernunft und Tugend anzustreben.


Psycho-physiognomische Studien über Jugend und Alter, Gesundheit und Krankheit, Geistesnacht und Geistesklarheit, Bosheit und Gutheit, Idealismus und Geisteskraft, Blödsinn und Gemeinheit.

1                        Tafel LVI             2                                                    3

4                       Tafel LVI             5

6                        Tafel LVI             7                                                    8

1. Geisteskranke. 2. Dieselbe geheilt und geistig gesund. 3. Ideal veranlagtes, gesundes und guterzogenes junges Mädchen, sehr intelligent. 4. Der Verfasser dieses Werkes im Alter von 21 Jahren. 5. und 6. Zwei Hundertjährige. 7. Kranke Frau mit üblem Charakter, raffiniert im Gemeinen und Bösen, sehr klug im Bösen, sehr dumm im Guten und vollends stupid für Ethik, Ästhetik, Idealismus und Wissenschaft. 8. Kranke Frau mit gutem Gemüt, jedoch wenig intelligent. 9. und 10. Zwei Hundertjährige.

9         Tafel LVI. Hundertjährige     10


N. Schulung des Sehens.

Aus diesem Grunde müssen wir bei unseren Mitmenschen immer mehr den Blick für die Form zu schulen suchen. Durch Zeichnen und Malen, Naturbetrachtung und physiognomische Studien bilden wir das Sehen aus. Hierdurch wird das schlimmste Hindernis, das sich der Einführung der Psycho- Physiognomik und Kallisophie entgegenstellt, das geistige und physische Unvermögen des ungeübten Sehens, allmählich über wunden.

Vor allem soll man Sehen, Zeichnen, Malen, Modellieren und richtige Formbetrachten lernen. Dazu ist aber auch ein liebevoller Sinn, ein vorurteilsfreies ruhiges Auffassen, eine empfindende Seele nötig. Diese entwickle man durch Pflege edler Sitten und Umgangsformen, Sprache, Musik, Poesie, Herzensgüte und einer freieren, aber weisen und idealen Religion.

Ein Beispiel, wie unrichtiges Sehen zu kleinen Abweichungen von der Wahrheit der Natur und zu kleinen Fehlern im Urteilen und Handeln führen kann, habe ich absichtlich in kleinen anatomischen Abweichungen der vier Naturelltypen auf Seite 144 und 145 gegeben.

Diese Gesichter hatte ich richtig aufgezeichnet und dann einem Lithographen in G. zum Vervielfältigen übergeben, derselbe sandte sie einem Steinzeichner nach B., weil er sich selbst nicht für fähig hielt, Porträts auf Stein zu übertragen. Der vermeintliche Künstler in B. verzeichnete aber trotzdem ein wenig die Augen und einiges andere. Da es diesen Zeichnungen weiter nicht schadete, zumal sie den Zweck hatten, nicht die künstlerisch und anatomisch richtige Darstellung der Einzelheiten zu geben, sondern nur die rohe Form der Gesichtstypen der verschiedenen Naturelle – und das ist gut gelungen -, so waren mir diese kleinen Zeichenfehler stets ein Prüfstein für das Sehvermögen mancher meiner Schüler. Wer auf die kleinen Abweichungen stutzig wurde und sie richtig beschreiben konnte, der war der befähigte Seher.

Das Interessanteste hierbei war mir, daß manche sehr gelehrte Herren einen fabelhaften Scharfblick für die Kommazeichen und manche Satzwendungen in Schriften besaßen, aber völlig unfähig waren, die auf-fallendsten Formabweichungen im menschlichen Antlitz zu entdecken.

Seitdem bin ich sehr nachsichtig geworden gegen das Fehlsehen; denn es wird weder in den Volksschulen, noch in den höheren und höchsten Schulen, mit Ausnahme der Kunstakademien, gelehrt. Daher auch die Schwierigkeiten, die so manche bei psycho-physiognomischen Studien zu überwinden haben. Im Ergänzungsbande dieses Werkes werden die Naturelle noch einmal, und zwar in meinem ursprünglich richtigen Entwurf, zur Darstellung kommen. Aus diesem Unvermögen des Sehens erklären sich auch die laienhaften Unfähigkeiten mancher Ärzte und Erzieher und ihre Interesselosigkeiten gegenüber psychophysiognomischen Wahrheiten; nichts ist daher für den Arzt und Pädagogen bildender als ein kollegialischer Verkehr mit bildenden Künstlern und das Studium der Psycho-Physiognomik. Aus diesem Mangel richtigen Sehens und Fühlens erklärt sich so manche Verarmung der Wissenschaft und Religion, des verholzten Bürokratismus, und aus derselben Ursache entsprangen auch die Verwechselungen von Temperament und Naturell, Od und Helioda, Stinkstoff und Duftstoff und manche andere Übel dieser Welt.


O. Die Geschichte der Augen-Iriskunde (Augendiagnose) und mein Kampf und die Wahrheit.

Auch dieser Zweig der Psycho-Physiognomik war bisher noch wenig geklärt. Es handelt sich hierbei nicht um die Diagnose der Augen, sondern um Feststellungen von Krankheiten in sämtlichen Körperorganen aus der Iris der Augen.

Quelle: DgM Nr. 35. 1935

Wie ich schon früher berichtete, ist mir in meiner frühesten Jugend aufgefallen, daß bei kranken Menschen Veränderungen in dem gesamten Auge, besonders in der Iris, auftreten. Ich untersuchte damals nicht die einzelnen Areale, sondern ließ vielmehr die Tatsachen als Wahrzeichen auf mich wirken. Ich schenkte diesen Vorgängen meine Aufmerksamkeit, doch verbot mir die Schicklichkeit, so, wie ich wohl gemocht hätte, bei allen Kranken und Verletzten deren Iris nahe zu untersuchen. Beim seelischen Ausdruck war Nahuntersuchung nie nötig, da dieser sich nicht partiell, sondern total bekundet, also auch in der gewöhnlichen Entfernung festgestellt werden kann.

Erst später, als ich viele Porträts zeichnete, fand ich mehr Gelegenheit, die Iris in nächster Nähe schärfer zu beobachten. Als ich den Irisarealen auf der Spur war und diese auch schon größtenteils festgestellt hatte, erschien 1887 Dr. med. Schlegels Schrift, in welcher er die Entdeckungen der Irisarealzeichen bei Krankheiten und Verletzungen seitens des Budapester Arztes Dr. Péczely veröffentlichte. In dieser Schrift war einmal der einfache Tatsachenbestand angegeben, daß sich schwere Krankheiten und Verletzungen in besonderen Zeichen in der Iris ausprägen, und zweitens waren die Irisareale angegeben, in welchen sich die Verletzungen der verschiedenen Körperorgane bekunden. Das erste, die Krankheitszeichen als Gesamtausdruck der Augen und der Iris nebst den bestimmten Achsenlagen in der Iris erkannt zu haben, ist allein von mir und nicht von Péczely gemacht. Die Auffindung ganz bestimmter Areale in der Iris für verschiedene Krankheiten, insbesondere für Organverletzungen, spreche ich Péczely zu. Die Priorität der ersten sehr wichtigen Entdeckung bleibt mein unantastbares geistiges Eigentum; diese Entdeckung hat nicht nur medizinischen, sondern auch künstlerischen, mathematischen und physikalischen Wert. Ich entdeckte die Veränderungen der Augen und der Iris bei Erkrankungen innerer Organe in mehrjährigen Beobachtungen von 1870-1873 zuerst gelegentlich verschiedener epidemischer Krankheiten unter Kindern in meiner Heimat. Péczely veröffentlichte gleich seine Entdeckungen 1881. Im Jahre 1884 hielt ich meine ersten öffentlichen Vorträge, wobei sich meine Augen- und Gesichtsausdrucksentdeckungen durch Experimente glänzend bestätigten.

Erst 1887 erschien die deutsche Schrift von Dr. Sch., die mir erst 1891 in die Hände kam. Hierdurch habe ich zum ersten Male von Péczely und dessen Arealforschungen etwas erfahren. Ähnlich so war es mit meinen Gesichtsforschungen. Als ich längst meine Naturelle begründet und meine Psycho-Physiognomik beim Menschen schon in ein eigenes System gebracht hatte, es war in meinem zwölften Lebensjahre, 1873, hörte ich viele Jahre später etwas über Phrenologie. Im Jahre 1882 führte mich Dr. Cyriax in Leipzig in die Phrenologie ein. Im Jahre 1883 erfuhr ich von den physiognomischen Forschungen Heinrich Bossards. Beides gab mir den Anlaß, nicht nur die Porträtmalerei, sondern auch meine Psycho-Physiognomik praktisch und durch Unterricht und Vorträge als Lebensberuf auszuüben. 

Dr. med. Cyriax

Diese öffentliche Vortragstätigkeit nahm ich auf, als ich mir 1883 und 1884 durch Studium diesbezüglicher Spezialwerke in Leipziger und Dresdener Bibliotheken die umfassendsten Kenntnisse über anthropologische, phrenologische, physiognomische und psychophyisologische Gebiete angeeignet hatte. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß ich damals als junger Künstler eigens zu diesem Zwecke über 1200 Mark Studiengelder für psycho-physiologische, anthropologische und psycho-physiognomische Forschungen von meinen Angehörigen erhalten hatte.

Auf die Augendiagnose zurückkommend, habe ich meine ersten Aufsätze zu einem Spezialwerk darüber schon im Jahre 1886 geschrieben, also zu einer Zeit, als mir Péczelys Forschungen noch völlig unbekannt waren. (1887 erschien erst Dr. Schlegels Schrift.)

Nun habe ich aber nicht nur die Tatsachen der physiognomischen Augenmerkzeichen und ihre Achsen gefunden, sondern ich habe auch gleich diese Zeichen mit den Lebensstrahlen Helioda in Zusammenhang gebracht und mir dadurch den Zusammenhang dieser Zeichen mit den inneren Organen erklärt, und zwar dieses eher, als ich die Arealzeichen durch eigenen Beobachtungen fand, die mir später Dr. Péctzely und Dr. Schlegel bestätigten. Von irgendeiner vermittelnden Kraft mit den inneren Organen haben jedoch weder Péczely, noch Schlegel, noch der spätere Irisforscher Pfarrer Linjequist etwas gefunden, daher ist in ihren Schriften auch nichts davon erwähnt. Die Gründe, weshalb ich meine Forschungen nicht gleich veröffentlichte, lagen in meinem gewissenhaften Vorgehen, alles erst zur möglichsten Vollkommenheit durch tausendfache Erprobungen ausreifen zu lassen, dann aber auch meine Entdeckungen und Erfahrungen in umfangreichen Werken niederzulegen. Die Lebenslicht- oder Heliodastrahlen und ihr Zusammenhang mit der Iris, den Irisachsen, Krankheitszeichen und mit allen inneren und äußeren Körperorganen ist die zweite wichtige Entdeckung, welche ich bei meinen Irisforschungen gemacht habe.


Levitating Stone
(Hinzugefügt)
Jedem zum Erfolg in praktischer Menschenkenntnis zu verhelfen, dazu soll dieses Lehrwerk besondere Dienste erweisen.



Erstellt 1995. Update 9. April 2007.
© Medical-Manager Wolfgang Timm
Fortsetzung
Hauptwerk. 2. Auflage. 1929. Hrsg. Amandus Kupfer

Die  Kronen symbolisieren die höhere Natur in jedem Menschen, sein individueller potentieller innerer Adel. Jedermann ist verpflichtet seinen inneren Adel nach Albrecht Dürer und Carl Huter zu heben.
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