Menschenkenntnis Lehrbrief V. 11. Teil des Lehrstoffes - Part 44
 
Hauptwerk 1904-06. Carl Huter
Bearbeitung: Medical-Manager Wolfgang Timm

FORTSETZUNG

ELFTER TEIL DES LEHRSTOFFES
Der lebendige Ausdruck des menschlichen Geistes, die Blume des geistigen Lebens. Carl Huters neue Gesichtsaus-druckslehre auf den Grundlagen der natürlichen Nervenentwicklung, der Anatomie, Physiologie, Biochemie, Mathematik, Physik, und die Wirksamkeit der Natur- und Lebenskräfte im Gesichtsausdruck. Die chemischen, die physikalischen und die seelischen Korrespondenzen der inneren Körperorgane mit den verschiedenen Gesichtsregionen. Das Gesicht als Spiegel der Seele

Aus allen vorhergehenden Ausführungen haben wir gesehen, daß das Zentrosoma das Gehirn der Zelle und die Helioda die Lebens- und Geisteskraft der Zelle ist.

DgM Nr. 15. 1934
(Hinzugefügt)

Wenn nun die Helioda die gesamten Zellteile bis an und durch die Zellhaut durchstrahlen kann, so ist anzunehmen, daß unter gewissen Umständen sämtliche Körperzellen derart in starke Strahlung gebracht werden können, daß sie einmal alle miteinander in lebensaustauschende, das heißt heliodaaustauschende Verbindung treten können, daß sie ferner dadurch in geistiger Verbindung miteinander stehen, und daß schließlich drittens diese Summe aller strahlenden Zellhelioden das Bestreben hat, sich zu sammeln, um nicht nutzlos die Lebenskraft zu verstrahlen, sondern sie aufzuspeichern.

Diese Aufspeicherung der Helioda-Lebenskräfte geschieht nun in den Nervenzentren. Diese Nervenzentren liegen zahlreich im Körper verteilt, so daß jedes Organ seine eigenen Nervenzentren hat.

Man nennt diese Nervenzentren Ganglionen. Solche Ganglionen hat das Herz, der Magen, der Geschlechts-apparat, ja jedes lebenswichtige Organ und jedes Sinnesorgan. Die Ganglionen sind also sozusagen die Organgehirne. Ich nenne sie auch physiologische Gehirne. Das eigentliche Gehirn ist nun die Zentralsammelstation der überschüssigen Kräfte aller organischen Gehirne oder Ganglionen.

Auffallend ist nun, daß, da das Mittelhirn das Zentralorgan für Empfindung und Leben, das Kleinhirn für Bewegung und physische Kraftentwicklung ist, kein Zentralorgan für die chemischen Vorgänge vorhanden zu sein scheint. Dieses bewog mich, zahlreiche vergleichende Forschungen anzustellen, und hierbei gelang es mir, festzustellen, daß sowohl das Klein-, wie auch das Mittelhirn, starken Anteil an den chemischen Vorgängen im Körper nimmt. Ganz besonders ist der obere Teil des Rückenmarks, der in dem Halswirbel eingebettet liegt, für die chemischen Lebensprozesse, vor allem für die funktionelle Chemie, stark wirksam. Eine ganz besonders wichtige Zentralstation für die materiell chemischen Vorgänge im menschlichen Körper bezeichne ich die Schilddrüse. Diese Schilddrüse liegt nun bekanntlich vorn am Halse unmittelbar unter dem Kehlkopfe, und sie hat eine so hervorragende Bedeutung für den chemischen Haushalt des Körpers, daß ich sie als das chemische Gehirn bezeichnen möchte, und zwar gerade darum auch, weil sie speziell die chemischen Vorgänge in den Hirn- und Zentralnerven noch ganz besonders zu regeln scheint.

Für das Leben selber ist nachweislich das Mittelhirn das wichtigste Organ; denn ohne Mittelhirn ist kein Leben möglich. Die Physiologen haben festgestellt, daß Tiere bei Verletzung des Kleinhirns und Großhirns, ja selbst bei völliger Entfernung des einen oder anderen, noch eine kurze Zeit leben konnten. Kein Tier konnte aber ohne Mittelhirn leben. Tiere ohne die Schilddrüse lebten noch länger als die ohne Kleinhirn. Dieses berichtet auch von Bunge in seinem großen Lehrwerk „Physiologie des Menschen“. Daß für die chemischen Vorgänge im lebenden Körper kein eigentliches Extragehirn nötig ist, scheint mir ein Mitbeweis für meine Lehre, daß das Leben nicht in chemischen, sondern in empfindenden Kräften wurzelt.

Daraus folgt, daß das Empfinden mit der Lebensenergie identisch ist. Gerade hieraus folgere ich, daß die Empfindungsenergie Lebenskraft und daß Lebenskraft Empfindungsenergie ist. Ist das eine Tatsache, dann sind jene unsere besten Ärzte und Lebenserhalter, die unsere Empfindungsenergie steigern, und zwar nach der Richtung der Lust hin. Lustempfinden stärkt Leben und Gesundheit und ist die beste Medizin. Man wird es nun begreifen können, daß darum die Religionen mit allen Ur- und Naturvölkern so eng verwachsen sind, weil sie vorzugsweise das Lustempfinden des Menschen steigerten durch den Glauben an Himmel und Paradiese und sonstige Seligkeitszustände. Auch die Kunst hat großen Anteil an der Schaffung von Lebenslustempfinden. Religion und Kunst zu pflegen gehört daher zur Lebensweisheit.

Der schlichteste Mann mit tiefem religiösem Empfinden ist reicher an Lebensglück als mancher vielgelehrte Herr ohne Religion und ohne Kunstliebe. Man legt heutzutage auch viel zu sehr den materiellen Genüssen einen Wert bei, und doch ist das gänzlich verkehrt. Nehmen wir uns die drei Gehirne und ihre qualitativen Wertmaße fürs Leben zum Muster, das Empfindungs- (Mittel-), das Bewegungs- (kleine Hinter-) und das chemische (Schilddrüse-) Gehirn. Dabei ist das Empfindungsgehirn das Lebenswichtigste. Dann erst kommt das Kleinhirn und schließlich das chemische als notwendiges Lebensorgan in Frage. Der Mensch soll daher zuerst die geistigen Genüsse und die geistige Entwicklung pflegen; dann die physischen und in letzter Hinsicht erst die chemischen. Alle Völker, die es umgekehrt machten, gingen am intellektuellen und physischen Materialismus zugrunde. Nur das Ideale schafft Lebens- und Seelengröße. Immerhin muß auch der chemische Genuß, die Ernährung, Berücksichtigung finden, man darf ihn nur nicht als höchstes Lebensideal aufstellen.

Das Großhirn ist nun wiederum ein Entwicklungsprodukt aus dem Mittel- und Kleinhirn, und ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich behaupte, auch aus der Schilddrüse; denn bei Schilddrüsenerkrankungen gewahrte ich stets eine Erkrankung des Großhirns, und bei unheilbarem Schilddrüsenleiden stellten sich schwere Kopfleiden, geistige Erkrankung, Rückentwicklung des Großhirns und schließlich der Tod ein.

Die Schilddrüse ist also ein äußerst lebenswichtiges Organ. Wenn nun diese dem Gesicht am nächsten sitzt, so ist das für die Gesichtsforschung eine beachtenswerte Tatsache. Sie lehrt, daß die chemische Beschaffenheit unseres Körpers und die biochemischen Vorgänge im Körper am unteren Gesichte und am Halse in der Nähe der Schilddrüse erkannt und beurteilt werden können. Ferner ergibt sich daraus, daß alle gröberen Weichteile dafür in Betracht kommen, und daß die feineren und edleren Weichteile des Gesichts mit dem Mittelhirn, die rohen Hartteile mit dem Kleinhirn und die feinen, prägnanten Teile mit dem Großhirn in Verbindung stehen.

Schließlich korrespondieren alle Teile des Gesichts mit dem Großhirn und dem gesamten Körper. Wenn wir nun gesehen haben, daß die Heliodakräfte sich sammeln können, und daß sie auch strahlen können, daß ferner alle Ausstrahlungen der Zellen durch die Nerven zu den Ganglionen geleitet werden und von da aus verstärkte Strahlungen bis zum Mittel-, Klein- und Großhirn gelangen, sowie, daß von hier aus die Heliodakraft abermals gesammelt und verstärkt zunächst in alle Körperorgane zurückgestrahlt werden kann, so ergibt sich daraus, daß unser Bewußtsein eine ganze Kette von inneren Lebenskraftstrahlungen, Sammlungen und wiederum Strahlungen bedeutet. Diese Helioda-Zentrosomastrahlungen aus den Zellen heraus und ihre wirtschaftliche Sammlung und Verwertung ist eben das, was ich unter Leben, Seele, Geist erkannt habe. Daß nun das Gesicht den Gipfelpunkt der strahlenden Helioda-, Lebens- und Nervenkräfte bildet, ist natürlich.

Hier liegen die Aufnahmeorgane für die Ernährung, sowie die Sinnesorgane für die direkten geistigen Vorgänge beisammen. Das menschliche Gesicht ist somit die Blume des gesamten körperlichen und seelischen Lebens. Ist der Mensch das höchste Lebewesen, so ist das menschliche Gesicht das höchste Studienobjekt am Menschen, das uns zu höchsten Menschenkenntnis und Geisteslehre und zur Lebens- und Weltweisheit führt.

Gerade meine wichtigste Entdeckung, die der Lebens- und Seelenkraft „Helioda“, machte ich zuerst im menschlichen Gesicht und im Auge. Das Auge des guten, des edlen, des hoffnungsvollen, schöpferischen und genialen Menschen und das Gesicht eines solchen Menschen strahlen innere Freude, Glück, Liebe, d.h. Helioda-Lebenskraft, aus.

Daß diese Strahlen auch wo anders hingeleitet werden können, habe ich ja weiterhin durch Versuche nachgewiesen.

Wenn nun die Helioda in der innersten Zellzentrale, im Zentrosoma, ihren Sitz hat, und wenn das Od die Helioda wie eine Hohlkugel umgibt, wenn ferner das Weichod wiederum von dem Hartod oder der Medioma umgeben wird, so tritt an der Peripherie der Zelle die umgekehrte Lage auf. Die Helioda sammelt sich da in der äußersten Peripherie, das Od umschließt es, und die Medioma umschließt wiederum das Od. Beides, Od und Medioma werden überall zentral und sphärisch von der Helioda beherrscht, also sowohl körperlich organisch, wie auch ätherisch geistig. Beim menschlichen Auge z.B. deckt eine dünne Oberhaut als Schutzwand die starke Strahlschicht (die Iris) desselben, beim Ohr tritt die Medioma, beim Munde das Od vielfach mit in den Vordergrund. Das Od tritt an der Peripherie des menschlichen Körpers und insbesondere beim Gesicht in ähnlicher aber stark abwechselnder Weise auf, beispielsweise ist es grundverschieden am Auge, am Munde und am Ohre.

Bei den Augen strahlt also die Helioda in der obersten Schicht der Iris, in der mittleren hält sich das Od auf und in er untersten Schicht die Medioma. Bei der Ohrmuschel tritt die Helioda teilweise etwas zurück, sie arbeitet mehr mit dem Ode in den inneren Gehörorganen. Die Medioma tritt besonders in den Ohrleisten, das Od in den konkaven Muschelhöhlungen in den Vordergrund.

Bei Mund und Lippen spielt das Od oft stark im Vordergrunde. Die Helioda konzentriert sich mehr in der Zungenspitze, in den inneren Lippen und am Gaumen, insbesondere auch in der Oberlippe, dabei linksseitig mehr als rechtsseitig. Um den äußeren Mund und in der Mundmuskulatur konzentriert sich mehr die Medioma. Von den Peripherieorganen kann nun eine Rückstrahlung zu den Hirnzentren stattfinden. Es ergeben sich dadurch nun folgende verschiedene Lebenskraftströmungen oder Heliodastrahlvorgänge.


Heliodastrahlvorgänge

I. a) Zentripetal. Von den Sinnesorganen zu den Hirnzentralen (Sinnengeistiger Vorgang).
b) Zentrifugal. Von den Hirnzentren zu den Sinnesorganen (Verstandesgeistiger Vorgang).
II. a) Zentripetal. Von den Körperzellen zu den Ganglionen, von da zu den Hirnzentren (Trieb- oder instinktgeistiger Vorgang).
b) Zentrifugal. Von den Hirnzentren zu den Ganglionen (Tatgeistiger Vorgang)
III. a) Zentripetal. Von den Körperzellen zu den Ganglionen (Unbewußter physiologischer Lebensvorgang).
b) Zentrifugal. Von den Ganglionen zu den Einzelzellen (Unbewußter lebensordnender Vorgang).
IV. a) Zentripetal. Von den Sinnesorganen zu den Hirnzentren, von den Hirnzentren zu den Ganglionen, von den Ganglionen zu den Körperzellen (Gemütsgeistiger Vorgang).
b) Zentrifugal. Von den Körperzellen zu den Ganglionen, von da zu den Hirnzentralen. Von da zu den Sinnesorganen einesteils und zu den bestimmten Gliedern andernteils (Genialgeistiger Gefühlsvorgang).

Alle acht Vorgänge können sich im Gesichte nicht gleichstark spiegeln. Beispielsweise in IIIa und b, also in den örtlich organischen unbewußten Vorgängen spiegelt sich im Gesicht oft gar nichts wider. Daher ist die Gesichtsausdruckskunde für den Arzt und Physiologen nicht in allen Punkten ausreichend, um Diagnosen stellen zu können, es muß in solchen Fällen eine örtliche organische Diagnose die Gesichtsdiagnose ergänzen.

Nur stärkere örtliche Reize, die größere Körperprovinzen umfassen und die sich oft wiederholen, können mit bestimmten Gesichtsregionen korrespondieren. Alle übrigen Vorgänge spiegeln sich jedoch minder im Gesicht wider; die übergroße Mehrzahl, also von acht lebenswichtigen Vorgängen sind es immerhin sechs, die im Gesicht erkennbar zum Ausdruck kommen. Dadurch bleibt die Gesichtsausdruckskunde für den Arzt und Physiologen eine unentbehrliche Wissenschaft bei der Beurteilung von Gesundheit und Krankheit. Da für den Psychologen und Erzieher, für den Künstler und Philosophen, für den Reformator und Priester, für den Handarbeiter und den Kaufmann die zwei nicht gesichtskorrespondierenden körperlich-physiologischen Teilvorgänge nicht in Frage kommen, sondern dies nur Sache des Physiologen, des Heilkundigen und Arztes ist, so bleibt für diese Berufe wie für jedermann die Gesichtsausdruckskunde die beste Erkenntnisquelle für die Menschenkenntnis und daher das A und das O aller Wissenschaft und Erfolge. Wie nun die Gesichtsentwicklung mit der Gehirn-, Schädel- und Körperbildung im Zusammenhange steht, davon möge man sich auf den beifolgenden nächsten drei Tafeln Seite 195, 196 und 197 überzeugen.


Das Skelett eines neugeborenen reifen Kindes nach Cloquet
zeigt das Verhältnis von Rumpf-, Kopf- und Gliederanlage, weiterhin die Helioda-Lebensstrahlkraft in Knochensubstanz des Schädels, sowie die Entwicklung der Gesichtsknochen, wodurch die festen Grundformen des Gesichts entstehen

Tafel XLVI. Skelett eines reifen Kindes nach Cloquet. Zwei Figuren
Das Mittel-, das Klein- und das vordere, seitliche und obere Großhirn sind schwach entwickelt, dementsprechend sind Hirn-, Schädel- und Gesichtsknochenbau. Die Beine und Füße sind am schwächsten entwickelt. Ernährungs- und inneres subjektives Empfindungsleben herrscht in diesem ersten Kindesalter vor. Das Stirnbein besteht aus zwei seitlichen Hälften, in deren Mitte, sowie in der Mitte des Scheitelbeines der feste Knochenkern zu sehen ist, von dem aus die feste Verknöcherung strahlig nach allen Richtungen ausging. Ein Beweis für die Bedeutung der Heliodastrahlen bei der Knochenbildung. Alle Ganglionen, das sympathische Nervensystem, das Rückenmark, das hintere, untere, mittlere, seitliche und obere Großhirn sind am stärksten entwickelt. Dementsprechend ist auch die Kopf- und Gesichtsbildung

Über Gehirn- bezw. Schädel- und Gesichtsbildung habe ich schon in den letzten Tafeln des vorhergehenden Abschnitts Aufschluß gegeben.


Der Schädel in seiner Entwicklung und im ausgebildeten Zustande nach Spix zeigt die Gehirn - und Gesichts-bauentwicklung an
In Fig. 1-8 ist die Entwicklung des Schädels während des Embryolebens dargestellt

1                            2                        3     Tafel XLVII                            4                                5


6             Tafel XLVII       7                                        8

Tafel XLVII
Der untere große Schädel zeigt das ausgereifte Gehirn, sowie den Schädel-, Kopf- und Gesichtsknochenbau eines erwachsenen Menschen. Ein Beweis dafür, daß die Schädelform der Gehirnform entsprechend die geistige Anlage, das Gesicht den wirklichen Zustand, die Art der letzten Entwicklungsphasen, also den wirklich vorhandenen Charakter spiegelt

Fig. 1 zeigt den Schädel vom Anfange des zweiten, 2 vom Ende des zweiten, 3 von der ersten Hälfte des dritten, 4 von der zweiten Hälfte des dritten, 5 vom vierten, 6 vom fünften, 7 vom siebenten, 8 vom neunten Monate an.

Auf der Tafel Seite 197 sind verschiedene Schädelformen von oben gesehen dargestellt, hieraus möge man ersehen, daß ein langschädeliger Mensch mit kurzem Querschädelmaß darunter ein schmales Gesicht, ein kurz- und zugleich breitschädeliger ein breites Gesicht haben muß. Dies ist zur Genüge ersichtlich und bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Man sehe sich auf dieser Tafel ferner zwei Schädel von Huxley noch einmal daraufhin an. Man studiere auch die Jochbeine, die Nasenwurzelknochen, den Ober- und Unterkiefer mitsamt der Zahnstellung, alles Knochen, welche mit der Schädelentwicklung und folglich mit der Gehirnbildung im engsten Zusammenhange stehen. Die drei Schädel von Blumenbach zeigen den innigsten Zusammenhang von Gehirn-, Schädel- und Gesichtsform. Je geistig-harmonischer der Mensch wird, desto harmonischer wird die Schädelgestalt und der Gesichtstypus, desto mehr treten die Unebenheiten und starken Formunterbrechungen am Schädel und Gesicht zurück. Um sich von diesen Lehrsätzen zu überzeugen, betrachte man den harmonisch-schönen Kaukasierschädel und vergleiche damit die enormen Jochbeine des Kalmücken oder die stark vorspringenden Kiefer und Zähne des Negers.


Schädel nach Blumenbach, Hartmann und Huxley
Obere Reihe Scheitelansicht, Norma verticalis (nach Blumenbach). 1. Neger, 2. Europäer, 3. Kalmücke.

Tafel XLVIII Schädel nach Blumenbach

Der Schädel von Hartmann auf der Mitte derselben Tafel zeigt uns, wie der festeste Schädelknochen das Hinterhauptbein ist, in dem das Rückenmark zuerst mündet, und wie der loseste Knochen des ursprünglich diesem am fernsten stehende Unterkiefer mit der Kinnspitze ist. Demnach ist nur das Schläfenbein das einzige Mittelglied vom Hinterhauptbein zum Keilbein und Unterkiefer.


Schädel nach Hartmann

Tafel XLVIII Schädel nach Hartmann
Gesprengter Schädel (nach Hartmann): a) Hinterhauptbein, b) Keilbein, d) Scheitelbein, e) Stirnbein, f) Siebbein, g) Oberkieferbein, h) Jochbein, i) Gaumenbein, k) Tränenbein, l) Nasenbein, m) Unterkiefer

Bedenkt man, dass durch die Bewegung des Unterkiefers auf das Keilbein, sowie auf die gesamten Gesichtsknochen und weiterhin seitlich auf das Schläfenbein, von da auf das Hinterhauptbein Reize und Kräfte übertragen werden, und daß sich diese auf die betreffenden Gehirnregionen fortpflanzen, so wird man verstehen, daß die Gesichtsbildung und Gesichtsmimik von rückwirkendem Einfluß auf das Gehirn ist. Weiter aber wirkt auch umgekehrt beispielsweise die Spannkraft des Kleinhirns auf das Hinterhaupt und Schläfenbein ein. Der Reiz pflanzt sich von diesen Organen nach zwei Richtungen fort, einmal auf das obere Gesicht, und zwar auf das Jochbein, und zweitens auf das untere Gesicht, zunächst auf den Unterkiefer, von da auf Kinn, Unterlippen und Mundwinkel weiter. Andernteils wirkt die Spannung des Kleinhirns auch auf das Rückenmark, dieses pflanzt den Reiz auf die Glieder, Arme und Beine, selbst auf die inneren Organe fort, und somit besteht ein ganz naturgemäßer Zusammenhang zwischen Kleinhirn und Körperbewegung, oder Anspannung und Kleinhirn und Gesichtsbewegung und Anspannung. Der Unterkiefer, die Jochbeine und das Kinn können also gar nicht von den Lebensvorgängen des Kleinhirn und der Körperorgane und besonders der Glieder, ausgeschaltet werden. Daß Gall und alle Phrenologen dieses übersehen haben, ist mir unerklärlich und bleibt der schwerste Fehler des ganzen Gallschen Systems.


Schädel nach Huxley
        
Tafel XLVIII Schädel nach Huxley
Scheitelansicht zwei extremer Schädel nach Huxley. Links: Langschädel, dolichokephaler, rechts: Kurzschädel, brachykephaler Schädel

Die organisch-anatomisch-physiologischen Vorgänge im menschlichen Körper sind unzertrennlich vom Gehirn. Folglich ist eine physiologische Phrenologie die erste und notwendigste, die wir brauchen.


Levitating Stone
(Hinzugefügt)
Jedem zum Erfolg in praktischer Menschenkenntnis zu verhelfen, dazu soll dieses Lehrwerk besondere Dienste erweisen.



Erstellt 1995. Update 8. April 2007.
© Medical-Manager Wolfgang Timm
Fortsetzung
Hauptwerk. 2. Auflage. 1929. Hrsg. Amandus Kupfer

Die  Kronen symbolisieren die höhere Natur in jedem Menschen, sein individueller potentieller innerer Adel. Jedermann ist verpflichtet seinen inneren Adel nach Albrecht Dürer und Carl Huter zu heben.
Hauptwerk - Lehrbrief 5 (von 5)
 
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