Vergleich Huter - Kretschmer: Part 7 - Bearbeitung Medical-Manager Wolfgang Timm
 
Cover - Die Dreitypenlehre Carl Huter im Vergleich zu den drei Körperbautypen Prof. Dr. med. Kretschmers

Fortsetzung

Wir setzen den Vergleich fort.

Kre., S. 38: „Der Pykniker hat die viel stärkeren Umfangsmaße wie der Astheniker, aber nicht in der Schulterbreite.“

Hu., Leitfaden, S. 151: „Im Ernährungs-Naturell sind die Massen in große, breite Formenmassen geordnet. Bei dem Empfindungs-Naturell tritt die Massigkeit der Formen zurück, an deren Stelle greift die feingliederige, zarte Formbildung Platz.“ 

Hu, Hochwart 1900: „Der Brustkasten des Ernährungs-Naturells ist häufiger rund als breit gebaut.“

Kre., betont 6. Auflage S. 61-62, dass der „Pykniker“ ein weiches Haar habe.

Hu., Hochwart, 1900: „Die Haare des Ernährungs-Naturells sind weich und matt glänzend.“

Kre., beschreibt S. 99 den gesunden voll entwickelten „pyknischen“ habitus als von untersetzter Figur, frischer Gesichtsfarbe und hübschem Fettansatz bei forschem hypomanischem Temperament.

Hu., Hauptwerk, Band V, S. 118: „Die Ruh- und Ernährungsmenschen wurden bei ihrer Beleibtheit alt, hatten nie Beschwerden, waren also gesund zu nennen. Dies führte mich zu der Annahme, dass diese Art dicken und gedrungenen Menschen...“ (Vgl. das Weitere hier S. 15, 16).

Kre., schreibt also hier vom gesunden Pykniker und unterscheidet außerdem den pyknischen Körperbau und das Temperament.

Hu., Hauptwerk, Band V, S. 138: „...es kann daher ein Bewegungs-Naturell im phlegmatischen oder langsamen Temperament oder Reizzustand sein, wie dieses meistens bei den ausgesprochenen Bewegungs-Typen englischer Herkunft der Fall ist...Das holländische Ernährungs-Naturell ist meist phlegmatisch, das deutsche sehr häufig cholerisch“ usw. usw.

Kre., S. 67: „Die Haut der Pyknischen zeigt, bei reichlicher, weicher Fettunterpolsterung sonst mittlere Verhältnisse.“

Hu., Hochwart, 1900: „Die Haut des Ernährungs-Naturells spannt sich weich und samtartig über die mit Fettmassen leicht gepolsterten Muskelteile, welche sich nur undeutlich erkennen lassen, so dass breite und weiche Formen erzielt werden. Adern sind kaum sichtbar.“

In der Anregung, die Professor Kretschmer gegeben wurde, anstatt der drei „Haupttypen“ nur zwei, nämlich „dicke und dünne“ zu unterscheiden, sieht Kretschmer einen schweren Rückschritt.

 
Er fasst im Vorwort der Auflage 1929 seine Antwort folgendermaßen zusammen: 

„Der (1) derbe Knochenbau des Athletikers ist keineswegs eine Mittelform zwischen den beiden (2) zarten Skelettformen der Leptosomen und der (3) Pykniker; sein (4) straffer Muskel steht nicht in der Mitte zwischen dem (5) weichen des Pyknikers und dem (6) schlaffen, dünnen des Asthenikers, sondern jeder ist etwas qualitativ anderes, ein (7) derber Hochkopf ist kein Mittelding zwischen einem (8) umfangreichen Flachkopf und einem (9) kleinen Rundkopf, eine (10) lange Eiform des Gesichts ist kein Mittelding zwischen einer (11) kurzen Eiform und einer flachen Fünfeckform“ usw.

Damit hat Kretschmer in Kürze eine Kennzeichnung der „drei Haupttypen“ gegeben, die wir bezüglich der Huterschen „drei Haupttypen“ zum Vergleich stellen, wobei vom Herausgeber die Zahlen bei den einzelnen Bezeichnungen der leichteren Übersicht halber angefügt sind.

1. Hu., Hochwart, 1900: „Das Hauptmerkmal eines Bewegungstypus lautet: Kräftig gebautes Knochensystem“...

2. Hu., Leitfaden, S. 150: „Der feine, zarte Empfindungstypus.“

3. Hu., Hochwart, 1900: „Kurze, breite Knochen, mäßig entwickelt; starke Fettschichten, mittelweite Blutgefäße.“

4. Hu., Hochwart, 1900: „kräftige Allgemeinmuskulatur“.

5. Hu., Leitfaden, S. 148: „Den breitmassigen (fleischigen) niedrigen, Ruhe- und Ernährungstypus.“

6. Ebendaselbst, S. 150: „Der feine, zarte Empfindungsformtypus. Ovale Feingesichter mit dünnem, schlankem Hals, Rumpf und Gliedern.“...

7. Hu., Leitfaden, S. 149: „Der lange, hartförmige Tat- und Bewegungsformtypus.“

8. Ebendaselbst: „Breitgesichter mit breiten, massigen Wangen, kurzem Schädel, niederer, bis mittelhoher Stirn.“...

9. Kupfer nach Hu., 1913, S. 57: „Figur 58 zeigt eine Frau im Empfindungs-Naturell mit feinem Rundkopf und griechischer Nase.“

10. Hu., Leitfaden, S. 149: Das Tat- und Bewegungs-Naturell hat das lange Gesicht.

11. Hu., Aus eigener Kraft, 1911, S. 219: „Das Empfindungs-Naturell hat einen kiebitzförmigen Gesichtstypus.“

Kretschmer, S. 43 macht die Einschränkung, daß ein Körpermerkmal stets im Rahmen „großer typisierter Gesamtbilder des Körperbaues“ wichtig ist. Damit entfällt das Suchen nach Merkzeichen, die demgegenüber in eine Nebenrolle zurücksinken.


Huter hat stets einzelne Merkmale seiner Typen im Zusammenhang mit dem Typus selbst beurteilen gelehrt.

„General-Anzeiger“, Stettin, Sonntag, den 29 April 1906: „...Vorstufe der psychophysiognomischen Menschenkenntnis ist die Naturellehre“...

Kupfer nach Hu., 1911, S. 35: „Die Merkmale beobachte man nicht für sich allein, sondern stets das gesamte Äußere“...

Kre., S. 67: „Die displastischen Typen entfernen sich stark von dem Arttypus, sie imponieren dem Laien als selten, auffallend, unschön.“

Kupfer nach Hu. 1911, S. 28: „Das disharmonische Naturell macht den Eindruck des Unsympathischen, Verzerrten und Unschönen“*).

Kre., S. 68: „Auch grobe Störungen der einzelnen Körperproportionen sind (bei dem zirkulären Formkreis) selten; wo wir solche z.B. Neigung zu Turmschädel, grobe Unregelmäßigkeiten der Gesichtszüge und ähnliches finden, da gehen heterogene (verschiedenartige) Konstitutionseinschläge auch auf der psychischen Seite in Zustandsbild, Persönlichkeit und Heredität (Erblichkeit) vielfach parallel.

Kupfer nach Hu. 1911: „Die Körper- und Gesichtsbildung der harmonischen Naturelle ist meist sehr schön und von edlen Proportionen... Das Gesicht der disharmonischen Naturelle ist in seinen Feldern unregelmäßig..., auch der Körper zeigt Unschönheiten im proportionellen Bau..., die Menschen werden leicht rücksichtslos, machen unnötige Opposition, üben zu harte Kritik usw. ... Es haben gewöhnlich Ernährungs- und Bewegungs-Naturelle disharmonische Kinder“.

Wir haben den Vergleich beendet.


In den wenigen Jahren (im Verhältnis zu der 4000 Jahre alten Temperamentslehre) seit Huter seine drei Grundtypen entdeckte und die Naturellehre ausbaute, ist dieselbe, weil sie so einfach und leicht verständlich, praktisch anwendbar und nützlich ist, weil sie Freude macht und das Wissen so außerordentlich bereichert, in Deutschland weit und breit in allen Kreisen bekannt geworden.

Wenn tatsächlich die Franzosen von vor hundert und noch mehr Jahren diese Lehre schon gekannt hätten, dann wäre es einfach unverständlich, wieso sie dann solange hätte unbekannt bleiben können.

Wir haben ja auch in dem Bekanntwerden der Kretschmerschen Typenlehre einen neuerlichen Beweis. Mit dem Erscheinen seines Werkes „Körperbau und Charakter“ (1921) trat fast sofort bzw. in ein paar Jahren der Umschwung des Denkens nach dieser Richtung in Medizin und Psychologie ein, und auch die Presse nahm daran teil.

Die Vorarbeit war durch Huter und seine Schüler gemacht. Die Typen wurden überall aufgenommen, als hätte man nur darauf gewartet, dass von wissenschaftlich sanktionierter Stelle eine Bestätigung der in weitesten Kreisen längst bekannten Dreitypen und Naturellehre Huters geschehen sollte.

So und nicht anders ist es zu verstehen, dass die Typen Kretschmers, die in der Darstellungs- und Ausdrucksweise Kretschmers ja fast gar nicht ohne besondere medizinische Wörterbücher zu verstehen sind, dennoch in wenigen Jahren eine so lebhafte Diskussion und weitgehende Verbreitung fanden.

Dr. med. v. Rohden, ein Mitforscher Kretschmers, den derselbe des öfteren in seinem Werk erwähnt und zur Bestätigung seiner Forschungen anführt, setzte in einer besonderen Arbeit „Konstitutionelle Körperbauuntersuchungen an Gesunden und Kranken“, Archiv für Psychiatrie, 1927, Heft 5 und „Umschau“ Heft 51, 1926, die Huterschen und die Kretschmerschen Haupttypen gleich.

Ja, v. Rohden geht noch darüber hinaus, er vermischt Hutersche und Kretschmersche Bezeichnungen untereinander, so dass überhaupt kein Unterschied ersichtlich ist, er macht auch nicht im geringsten auf eine Unterscheidung der Typen aufmerksam.

Es bleibt also gar kein Zweifel, dass diese „Typenfrage“, ob früher oder später, restlos geklärt werden muss, insbesondere da ja die Naturellehre Huters eine Wissenschaft für sich ist, und hiermit ein Lebensgebiet angeschnitten ist, das mindestens ebenso wichtig ist wie Lesen, Schreiben und Rechnen.

*) Der Herausgeber weiß, dass er in der Typenlehre der Medizin, obwohl er die Typenlehre Huters seit bald 25 Jahren vertritt und Huters persönlicher Schüler war, Laie ist und bleibt.


„Der Unternehmer“ 1926 (Hinzugefügt)

Dr. p hil. Max v. Kreusch, ein bestens bekannter Charakterologe, veröffentlichte u.a. einen Artikel über die Naturellehre Huters und Ihre Verwendung im Berufsleben in der Zeitschrift „Der Unternehmer“ 1926, Nr. 3 und schreibt S. 12: „Dass der Mediziner Kretschmer vom gesamten Körperbau ausgehend die Huterschen Typen durch seine Forschungen in charakterkundlicher Richtung an hageren (asthenischen), gedrungenen (pyknischen) und derbknochigen (athletischen) Menschen in den wesentlichen Zügen bestätigt hat, dürfte ein neuer wesentlicher Fortschritt auf dem hier behandelten Gebiete sein.“


„Die Körperform als Spiegel der Seele“ (Hinzugefügt)

Dr. jur. Wilhelm Böhl in Essen gab 1929 ein 230 Seiten starkes Werk: „Die Körperform als Spiegel der Seele“ heraus. Das Werk erschien in dem bedeutenden Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Auf S. 9 heißt es, dass die Typenlehre des Franzosen Sigaud bei uns Eingang fände. „Es ist der Forschung fast ganz unbekannt geblieben, dass es bereits eine deutsche Konstitutionslehre gibt, und zwar eine weit bessere als die, die die Franzosen entwickelt haben. Sie ist aufgestellt von dem Portraitmaler Carl Huter (gestorben 1912).“ Auf Seite 13 heißt es: „Zwar sind die von Kretschmer aufgestellten drei Körperbautypen bereits früher entdeckt worden –sie sind mit den von Huter gefundenen Naturelltypen identisch“... (Vom Verfasser im Druck hervorgehoben.)

Die Beschreibung der Kretschmerschen und Huterschen Typen laufen demgemäß auch mehr oder weniger ineinander über. Weiter auf das Werk Böhles hier einzugehen, ist nicht beabsichtigt, da es sonst nicht den Anforderungen entspricht, die wir heute an ein Werk über Physiognomik stellen müssen.

Erwähnen wollen wir noch, daß v. Rohden in seiner oben genannten Arbeit schreibt, dass schon Friedenthal (Professor Dr. med., Arbeitsstätte für Menschenkunde an der Universität Berlin), „der zwar die Hutersche Lehre als unbrauchbar bezeichnet, mit seiner eigenen sehr primitiven Unterscheidung von Hirten-, Jäger- und Bauerntypus durchaus auf Huter fußt. Auch die Zwischentypen Friedenthals entsprechen genau den Huterschen sekundären Konstitutionstypen. Besonders auffallend aber ist, dass Friedenthal sich auf die Keimblattheorie stützt, ohne Huter als ihren Begründer zu nennen.“ (Huter dagegen hat schon in seinem Hauptwerk* ,1904-06 , Friedenthal ehrenvoll erwähnt.)

Dr. Ernst Ulitzsch veröffentlichte in der „Modenschau“, Zeitschrift für Heim und Gesellschaft, Heft 178, 1927, einen Artikel über „Gestalt und Charakter“. Kretschmer ist genannt, Huter nicht . Trotzdem schreibt der Verfasser, der hauptsächlich die drei Haupttypen behandelt vom Empfindungs - oder asthenischen Typ , vom sportlich eingestellten Bewegungs - oder athletischen Typ , dass der Bewegungstyp vor allem Dingen Tatmensch sei. 

Wir sehen, hier laufen Hutersche Bezeichnungen unter Kretschmerschem Namen und die Typen gehen ineinander über. Auch das mag zur Illustration des Ganzen beitragen.


Es bleibt nur noch übrig, einige Worte über die Arbeit des v. Rutkowski zu sagen, auf den Kretschmer bezüglich Huters Typenlehre erstmalig 1929 verweist, um den Geist dieser Kritik an Huters Lehren zu kennzeichnen.

Es heisst S. 47: „Einige Kapitel sind bei Huter der Temperamentslehre gewidmet. Wir sehen als eine „Studientafel zur Frage Huters Rassen-, Naturell- und Temperamentslehre“ (darin ohne Quellenangabe), Lavatersche Köpfe; auf S. 139 finden wir dieselben vier bekannten Köpfe von Lavater, die vier Temperamente „nach Auffassung zu Lavaters Zeiten“ darstellend.“

Das sind zwei Sätze, aber sie sagen uns schon viel!

1. Im zweiten Satz steht unter Anführungsstrich, also als wörtliche Entlehnung angeführt, „Studientafel zur Frage Huters Rassen-, Naturell- und Temperamentslehre“. In dieser Form ist der Satz teil verunstaltet . Huter hatte ja überhaupt keinen Anlass, eine solche Frage zu stellen. Es heißt bei Huter S. 107: „Studientafel zu Carl Huters Rassen-, Naturell- und Temperamentslehre. Links, Schema zu meinem System der wissenschaftlichen Charakterologie. Rechts, die vier Temperamente und die Berechnungsmöglichkeit ihrer Harmonie und Ergänzung.“

2. Ebenso ist der zweite in Anführungsstriche gesetzte Wortlaut: „Nach Auffassung zu Lavaters Seiten“ verunstaltet . Es heißt S. 139 bei Huter: „Die Auffassungen von den vier Temperamenten vor und zu Lavaters Zeiten.“ (Diese Taktik, die Sache Huters durch solche Mätzchen zu verminderwerten, geht durch das ganze Buch.)

3. Direkt neben der S. 139 mit den vier Lavaterschen Temperamentsköpfen, also auf S.138 des Huterschen Handbuches steht wörtlich: „Auf S. 139 sind vier Köpfe zur Darstellung gebracht, welche aus Lavaters Fragmenten stammen“... Die Quellenangabe ist also an dieser Stelle für die gleichen Lavaterschen Köpfe klar und deutlich durch Huter gemacht. Aus welchem Grunde bringt der Kritiker die falsche, Huter herabsetzende Angabe? – v. Rutkowski selbst aber hat für Entlehnungen aus einem Huterwerk S. 24 und 25 die Angabe der Quelle unterlassen und mehrere sinnentstellende Fehler hineingebracht.

4. Dass Huter die Quellenangabe machte, kann v. Rutkowski menschlichem Ermessen nach nicht übersehen haben. Denn der unmittelbar auf die Quellenangabe folgende Satz ist wörtlich von dem Kritiker entnommen und ebenfalls S. 47 angeführt.

5. Die Absicht, Huters Werk zu verminderwerten, offenbart auch das Folgende: Auf S. 42 bringt v. Rutkowski die beiden hier in genauer Wiedergabe gebrachten Bilder als „Zeichnungen aus Huters „III. Handbuch“ S. 91 und 92.“ Dass die Zeichnungen aus Huters Handbuch stammen, ist eine offenbare Unwahrheit und geeignet, den Leser zu täuschen. Es sind daher die beiden Zeichnungen, so wie sie in Huters Handbuch wirklich stehen, hier nochmals dargestellt.

 Das weibliche und das männliche Geschlecht

(Zeichnungen aus Huters „III. Handbuch“ S. 91 und 92.) Durch v. Rutk. Willkürlich geändert und entwertet.) 


Der Leser vergleiche die Zeichnungen.

Es sind ja die reinen Karikaturen, die v. Rutkowski da seinen Lesern als aus dem Huterschen Handbuch stammend, bietet. Der Leser, der das Handbuch Huters nicht kennt und solche Zeichnungen erblickt, muss zu der Überzeugung kommen, dass ein Hutersches Lehrbuch über Physiognomik, in welchem solche Bilder stehen, nicht viel wert sein kann.

Carl Huter: Der indifferente und der impulsive Mensch

Die Sache ist also wiederum durch den Kritiker stark verminderwertet . Außerdem sind aber die Zeichnungen aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, den sie in Huters Handbuch haben.

Jede Zeichnung hat im Huter-Handbuch noch ein Gegenstück. Huter kennzeichnet damit 1. die Verschiedenheit des männlichen und weiblichen Geschlechts und 2. den Stärkegrad oder die Indifferenz des Impulses in den Lebensäußerungen des Menschen.

v. Rutkowski demonstriert aber an den willkürlich geänderten und entwerteten Zeichnungen, dass Huter Lavatersche Lehren über die Stirn übernommen und nur im Bilde dargestellt haben soll, was Lavater diesbezüglich lehrte.

Zu welchem Zwecke hat v. Rutkowski den beiden Figuren die stark nach außen gebogene Stirn gezeichnet, die der indifferente Typus Huters überhaupt nicht hat und die der weibliche Geschlechtstypus des Handbuches in dieser Form auch nicht aufweist? –

v. Rutkowski bringt z.B. u.a. zu den beiden Zeichnungen folgenden Satz: „Nach dem Grade des Vorstehens einzelner Stirnteile schließt Huter auf kalten Verstand oder starkes religiöses Gefühl (S. 113).“

Huter hat aber an diesen Bildern nicht das Mindeste über die Stirn erklärt, sondern den Gesamt-Typus charakterisiert im Rahmen des Problems „Geschlecht, Impuls, Temperament und Naturell“.

Also nicht bloß, dass die Zeichnungen entstellt sind, dass die Angabe irreführend ist, nein, sie sind auch aus dem Zusammenhang gerissen, was nach dem Verlagsrecht nicht erlaubt ist, der ganze Sinn ist dadurch verschoben und ein anderer Sinn, der nicht existiert, ist zugeschoben. Damit noch nicht genug. Lesen wir auf S. 113 (Handbuch 3. Auflage) nach, welche v. Rutkowski den Inhalt des oben angeführten Satzes angeblich entnommen haben will, so ist nichts Sinnentsprechendes dort zu finden.

Auf S. 113 seines Handbuches stellt Huter zwei neue Typen auf, den Innerlichkeits- und den Äußerlichkeitsmenschen*). 

Diese sind an der Hand von zwei anatomischen Tafeln über das sympathische und das motorische Nervensystem beschrieben.

*) Diese beiden Typen sind heute ebenfalls, allerdings ohne die anatomische Begründung, wie die Naturelltypen Huters in die offizielle Psychologie und Charakterologie eingeführt. Als Entdecker derselben wird C. G. Jung, Zürich, genannt. 

[Anmerkung Wolfgang Timm: C. G. Jung bezeichnet diese Huterschen Entdeckungen „Introversion“ und „Extraversion“ – wie schon bei Kretschmer und Sheldon in Bezug auf die Dreitypenlehre Huters, handelt es sich diesbezüglich auch bei C. G. Jung um ein Plagiat; Original Carl Huter. Da alle drei genannten Personen nachweisbar wissentlich aus der „Huter-Quelle“ geschöpft haben, ohne diese anzugeben, ist diesbezüglich der Vorwurf des wissenschaftlichen Betruges zu erheben.]

Der Sinn der Darlegungen ist also auf der Textseite 113 des Handbuches ein ganz anderer als v. Rutkowski angegeben. Der Kritiker bringt also in heilloser Verwirrung und Entstellung eine angebliche Darstellung Huterscher Lehren.

Was soll man sich nun denken, wenn man liest, daß v. Rutkowski in seiner Kritik S. 26 schreibt: „In wirrem Durcheinander ist (bei Huter) von Geschlecht, Impuls, Temperament und Naturell...die Rede.“ Anschließend an die Karikaturen schreibt v. Rutkowski weiter: „Lavater: Vorhängende Stirn bedeute inbezill, unreif, schwach, dumm. 

Huter unterlässt diese Beschreibung und Bezeichnung, gibt aber auf S. 92 seines Buches eine Abbildung wieder, bei der die Stirn deutlich vorhängend ist und darunter die Bezeichnung: „indifferenter Mensch“.

Lavater: die weibliche Stirn sei eine „bogigte“. 

Huter gibt vom weiblichen Geschlecht eine Abbildung (S. 91), auf der die Stirn eine deutliche und ausgeprägte Wölbung aufweist.

Lavater stellt das Axiom auf: „Gradheit zu Gebogenheit, wie Kraft zu Schwäche.“

Vergleichen wir die Abbildungen Huters auf S. 91 (hier web), so finden wir, dass das weibliche Geschlecht „die gebogene“, das „männliche Geschlecht“ die „gerade Stirn“ zeigt.

Auch ohne Worte kann dasselbe gesagt werden!“ –

Soweit der Kritiker.

Zunächst muss also das fünf Atlasbände starke Lavater-Werk aus dem 18. Jahrhundert herhalten, damit v. Rutkowski einige Worte entnimmt und sie mit Huterschen Textstellen und Zeichnungen in Verbindung bringt, die einen ganz anderen Sinn und Zweck haben.

Dabei soll Huter noch nach über hundert Jahren unterlassen, die Stirn so zu beschreiben und zu bezeichnen, wie Lavater es getan hat, aber in der Zeichnung soll er die Lavaterschern Worte wiedergeben. 

Der Kritiker hat also direkt willkürlich etwas zurecht konstruiert.

Es ist fast unglaublich, dass er noch dazu in Bezug auf Huter schreibt: „Auch ohne Worte kann dasselbe gesagt werden!“ Also Huter hat sozusagen seine Leser getäuscht, Lavater etwas entnommen und im Bilde wiedergegeben. Das liegt im Sinn des Ganzen.

Aber v. Rutkowski hat offenbar von sich auf andere geschlossen.

Die Zeichnungen sind mit dem Ergebnis, daß eine auffällig bogige Stirn darstellt und einer Huterschen Zeichnung ein Lavaterscher Text willkürlich zugeschoben ist, neu gezeichnet und verunstaltet.

Wenn also, wie schon angeführt wurde, v. Rutkowski an anderer Stelle der Kritik behauptet, Huter habe seine drei Naturelltypen aus französischer Quelle geschöpft, so kann der Leser an diesem Beispiel der bogigen Stirn ermessen, was es damit auf sich hat.

Wir wären der weiteren Kritik über dieses Buch enthoben, denn wenn mit solchen Mitteln gearbeitet wird, dann hört der Ernst der wissenschaftlichen Forschung auf!


Da aber Professor Kretschmer bezüglich Huter und seiner Typen 1929 erstmalig auf diese Arbeit v. Rutkowski verweist, sollen noch zwei Punkte zur Kennzeichnung beleuchtet werden!

Was soll man nur dazu sagen, wenn v. Rutkowski S. 47 schreibt: „Was Huters Entdeckung ... der „Helioda“ anbetrifft, so ist sie auch nichts Neues und findet ihre Analogie in Bonnets philosophisch-naturwissenschaftlicher Lehre“... (1720).

Mit „Helioda“ bezeichnete Carl Huter die Lebenskraft, die in dem anatomischen Strahlengebilde der Zelle, dem Zentrosoma, wirkt. Das Zentrosoma ist überhaupt erst seit einigen Jahrzehnten den Histologen, Zell- und Gewebsforschern bekannt.

Weiter schreibt dann v. Rutkowski S. 48: „Huter begründetet einen „Weltbund zur Selbsterziehung“, welchen Plan schon Bonnet unter einem andern Titel als ein Bund der Philosophie und Religion gehabt, aber nicht ausgeführt hat. Wir sehen selbst darin weitgehende Übereinstimmung.“ Wenn also Bonnet vor mehr denn hundert und fünfzig Jahren einen Plan gehabt haben soll, einen Bund z u begründen, den er aber nicht aus führte, so muss selbst das, so sinnlos es ist, dazu herhalten, Huter die weitgehende Übereinstimmung damit anzudichten.

Die Satzungen des Huterschen Bundes von 1905 (die allein mehr an Text enthalten als die ganze vorliegende Schrift des Kritikers) tragen die Überschrift: „Weltbund für Selbsterziehung und Entfaltung aller körperlichen und geistigen Kräfte zum neuen Menschheitsadel nach den Lehren von Carl Huter, Förderung von Menschenkenntnis, Lebenslehre, Gesundheits- und Schönheitspflege, idealer Kunst, Heilreform, ethischem Rechtsempfinden und Rechtsschutz.“

Wir können aber dem Kritiker noch eine andere Antwort geben. Huter schreibt im Schlußwort seiner Broschüre „Gicht, Rheumatismus und Erkältungskrankheiten und deren erfolgreiche Behandlung nach Carl Huters neuem Heilsystem“, 1903: „Der Hutersche Bund ist kein politischer oder religiöser Verein, sondern er ist ein wissenschaftlicher und ethischer Weltverein.“

Manche Anhänger der alten Medizinschule werden vielleicht einwenden, ein solcher Verein sei nicht nötig, weil die Medizin nach Kenntnisnahme auch dieses Gute (die Dreitypenlehre Huters und die entsprechende Anwendung der verschiedenen Heilmethoden) aufnehmen und lehren wird. Aber demgegenüber muss betont werden, dass das gewöhnlich oft recht langsam geschieht, und dann meist noch mit unangenehmen Verquickungen alter Irrtümer zum Nachteile dieser Lehre.“

Eine bessere Antwort kann dem Kritiker gar nicht gegeben werden, denn es ist, als hätte Huter schon vorausberechnet, wie es seinem Bund und seiner Dreitypenlehre nach seinem Tode von medizinischer Seite aus ergehen könnte.

Bezeichnend ist, dass der Kritiker von Bonnet, den er kurz erwähnt, im Literaturverzeichnis sieben französische Werke mit vollem Titel und Jahreszahlen von 1755-1771 anführt.

Dagegen ist von Carl Huter selbst, dessen Lehre fast die ganze Broschüre behandelt, ein einziges Werk und dieses noch mit der Jahreszahl 1923 mit Titel genannt. 

Hätte der Kritiker die 30 zu Huters Lebzeiten erschienenen Werk mit vollem Titel (wie bei Bonnet) und Jahreszahlen von 1893-1912 angeführt, wie man es, wenn die Lebensarbeit eines Forschers kritisiert wird, erwarten müsste, so hätten die Leser der „Allgem. Zeitschr. Für Psychiatrie“ wahrscheinlich ein wahres Bild von Huters Persönlichkeit und Lebensarbeit erhalten, als aus dieser Kritik. Es fehlt ferner vollständig die Benennung der französischen Quellenliteratur, aus der Huter angeblich die Naturellehre geschöpft haben soll. Es ist also mit leeren Behauptungen gearbeitet, um Huter sein geistiges Eigentum bezüglich der Typen abzusprechen.

Das hohe Selbstbewusstsein des v. Rutkowski zeigt sich in dem letzten Satz seiner Arbeit: „Was die Keimblätter-Theorie (nach Huter), die Entwicklung der drei Naturelle und Systemtypen aus den einzelnen Keimblättern, je nachdem das innere, mittlere oder äußere Keimblatt bei der Entwicklung eine stärkere Betonung oder Bevorzugung erfahren hat, anbetrifft, so ist diese als eine originelle und naturwissenschaftlich mögliche Idee anzusehen, die von Interesse ist, die jedoch der näheren Nachprüfung und des Beweises bedarf.“

Was eigentlich für ein Widersinn im Vergleich zu der vorangegangenen Kritik der Typen Huters in dieser Auslassung enthalten ist, scheint dem Kritiker nicht zu Bewusstsein gekommen zu sein.

So sehr es gewiss allen Huterfreunden erwünscht ist, dass die wissenschaftliche Medizin die Lehren Huters nachprüft, so sehr ist doch anderseits zu wünschen, dass eine Nachprüfung unterbleibt, wenn sie von einem ähnlichen Geiste getragen ist, wie die Kritik des v. Rutkowski an Huters Lehren.

Es genügt nicht, dass der Arzt, selbst wenn es der beste wissenschaftliche Mediziner ist, zur Prüfung das eine oder das andere Werk Huters zur Hand nimmt, vielleicht nur bruchstückartig die neuen Forschungen und Entdeckungen Huters ohne Liebe zur Sache einfach oberflächlich durchliest, - und dann urteilt.

Um ein Fachurteil abzugeben, sind die Hauptwerke Huters mit der allergrössten Objektivität lange und eingehend zu studieren und nachzuprüfen. 

Um zu beurteilen, was Huter geschaffen hat, dazu gehört mehr, als sonst zu alltäglichen Dingen ärztlicher Tätigkeit notwendig ist.

Auch bleibt zu bedenken, dass vielfach in der Medizin selbst gegen die wertvollsten wissenschaftlichen Entdeckungen, - wenn sie medizinische Dinge berühren und nicht von einem Arzt stammen, der die herrschende Schule der Medizin vertritt, - schon von vornherein ein Vorurteil besteht, das oftmals ein klares wissenschaftliches Urteil über solche Forschungsergebnisse nicht mehr zulässt.

Polares, disharmonisches Naturell nach Huter

Die ungünstige Mischung der drei Grundanlagen. Wirkt geistig herabziehend durch zerstörenden Zynismus.


Polares, harmonisches Naturell

Die gleichmäßig gute Mischung der drei Grund-Anlagen. Wirkt geistig emporziehend durch ideale Verbesserungen.

*) Zu beziehen vom Verlag. Zweite Auflage. (Frei Mk. 37.-) (Zusatz W. Timm: Gesamtschau Digital: Carl Huters Menschenkenntnis seit 2004 im Verlag Carl-Huter-Zentral-Archiv).

Levitating Stone
(Hinzugefügt)
[Anmerkung W. Timm: Bis heute erschienen diverse Neuauflagen des Hauptwerkes von Carl Huter.]

Ende Vergleich Huter- Kretschmer



Erstellt 2001. Update 12. April 2007
© Medical-Manager Wolfgang Timm
Fortsetzung

Die  Kronen symbolisieren die höhere Natur in jedem Menschen, sein individueller potentieller innerer Adel. Jedermann ist verpflichtet seinen inneren Adel nach Albrecht Dürer und Carl Huter zu heben. Die Dreitypenlehre in der internationalen medizinischen Forschung
 
Wissenschaftlicher Beweis: Dreitypenlehre Huters = Original Die Dreitypenlehre