Carl Huter: Innere Erschließung einer höheren geistigen Welt - Part 9
 
Fortsetzung

Den Erfolgen und der Hofgunst folgte Neid im Naturheilverein und Mißgunst unter den Detmolder Ärzten, dann ein Zeitungskrieg, den ich siegreich bestand.

Diese Anerkennung meiner Leistungen durch die maßgebenden Kreise wurde von einigen sich unangenehm machenden Mitgliedern des Naturheilvereins, sowie von sonstigen übeldenkenden Menschen mit Neid aufgenommen. Man rief eine förmliche Agitation gegen mich ins Leben und mied meine Anstalt. Aber auch auf seiten der Detmolder Ärzte war man unzufrieden, daß man nicht einige von ihnen zu jenen Schloßvorträgen eingeladen hatte, oder auch, daß man mir überhaupt die Gunst erwiesen hatte, Vorträge vor dem Regenten und der Hofgesellschaft zu halten.

Ende April 1898 erschien denn in der Landeszeitung ein Artikel über Naturheilkunde, in welchem in ganz unverblümter Weise diesem Ärger Luft gemacht wurde und der mich sehr empörte, da er m it einer scharfen Spitze gegen den Regenten, gepaart mit einer schweren Beleidigung gegen mich, endete. Freilich waren keine Namen genannt, aber jeder wußte, wer gemeint war. Gegen diesen Angriff machte ich nun in einem längeren Abwehrartikel energisch Front, der in Form einer Beilage der Lippischen Landeszeitung am 5. Mai 1898 erschien. Damit gewann ich mir zahlreiche neue Anhänger in den Volkskreisen. Dies bezeugten viele Zuschriften und auch die von Welchert in Lage herausgegebene Lippische Volkszeitung, welche Freiheit der Heilkunde vertritt, und seit Jahren für die Biochemie agitiert. Diese trat mit schneidigen Artikeln offen für mich ein.

Aber der Hof sowohl als auch der Naturheilverein, die ich beide mit zu schützen und zu rechtfertigen suchte, schienen lieber gesehen zu haben, ich hätte geschwiegen, nur um nicht von sich reden zu machen. Auf beiden Seiten fürchtete man den Kampf der Ärzte. Der Hof hat bald darauf mehrere gegnerische Ärzte dekoriert; und der Naturheilverein suchte durch gewundene Erklärungen von mir abzurücken, um wieder ärztliche Gunst zu erhaschen. Über diese Haltung war ich sehr enttäuscht. Ich stand nun völlig isoliert da. Nur die Presse und das Volk verhielten sich gerecht. Eine Anzahl Freunde machten den Vorschlag, einen eigenen Verein zu gründen, der meine Lehre und Heilpraxis verbreiten sollte. Mehrere Mitglieder des Naturheilvereins baten mich jedoch, dem Verein als Mitglied treu zu bleiben, weil sie mich später als Vorsitzenden ausersehen wollten. Da ich auch mit mehreren Führern der Naturheilbewegung in Berlin, Bielefeld usw. in guter Verbindung stand, so unterblieb damals die Trennung von der Naturheilbewegung.

Allerlei auswärtige Patienten, welche in meinem Kurbade Heilung suchten, hatte ich in meinem Hause in Pension genommen. Sie alle wurden besser und fühlten sich in meiner Pflege und Behandlung wohl. Meine Frau stand mir dabei treu zur Seite, und auch ein junger Mann, Meinertz, der schon in Stade bei Naturarzt Kardinal seine Vorbildung genossen hatte, übte seine Pflicht zu meiner Zufriedenheit aus.

Besorgte Vorahnungen über kommende Ereignisse, die meinem Hause Schaden bringen würden, und die tröstenden Worte des Geistes der seligen Mutter meiner Frau.

Als ich eines Tages, sonst recht zufrieden, mit meiner lieben Frau meine jetzige Lage besprach, ahnte ich irgend etwas Unangenehmes, was gegen mich im Spiele war. Ich sagte, wir könnten dem Himmel danken und sagen: „Bis hierher hat uns Gott gebracht durch seine große Güte. Aber es sei in meinem Leben ein eigentümliches Verhängnis bisher gewesen, sobald ich glaubte, Ruhe, Zufriedenheit und Glück zu besitzen, dann käme irgendein schwerer Schicksalsschlag. Auch jetzt  schiene es so zu sein.“ Meine Frau tröstete mich und sagte, ich möge nur nicht traurig sein. Ihre selige Mutter habe sie bei ihrem Tode gesegnet und sei oft um uns, die würde für uns alles Gute tun. Kaum waren diese Worte gefallen, so hörten wir eine Stimme vom Nebenzimmer her zu uns sprechen. Wir konnten die Stimme nicht genau verstehen und gingen ihr nach. Bald sprach sie wieder, und nun erkannte meine Frau die Stimme ihrer seligen Mutter. Es war also richtig, dieselbe war als schützender Geist um uns. Doch die Geister auf den ersten Stufen des Jenseits sind nicht viel mächtiger als wir Menschen und können nicht alles Unheil, das sich naht, von uns abwenden. Oft ist es auch Bestimmung von höheren Regionen des Geisterreiches her, daß Unglück, Schmerz und Leid über uns kommen sollen, um uns dadurch zu einer höheren Entwicklung zu führen.

Wenige Tage nach diesem Ereignis, am 5. August 1898, kam plötzlich der Stellvertreter des Physikers mit zwei Polizeibeamten in mein Haus und ersuchte mich um Besichtigung der Anstalt. Dieser Mann Dr. C., gab an, im Auftrag des Magistrats die Badeanstalt revidieren zu müssen. Ich sagte, es sei doch merkwürdig, daß er dazu zwei bewaffnete Polizeibeamte mitgebracht hätte, ich wäre gern bereit, ihm die Anstalt zu zeigen, die Patienten vorzustellen und mein Heilverfahren zu erklären. Darauf führte ich den Mann in sämtliche Räume meines Hauses, zu den Patienten, in die Baderäume usw. Der Mann lobte die Lage und Einrichtung der Anstalt, war sehr freundlich und scheinbar über die guten Aussagen der Patienten befriedigt.

Die seltsame Inspektion meines Sanatoriums seitens Dr. C. mit zwei Polizeibeamten am 5. August 1898 und die Verfügung von Bürgermeister N.

Er entfernte sich ebenso höflich wie er gekommen war. Die Patienten waren über diese Anstaltsrevision natürlich sehr überrascht. Ich sagte mir, solche Kontrolle über Anstalten und dergleichen mag wohl nötig sein, nur erschien mit das Mitbringen von uniformierten Beamten recht rätselhaft. Dr. C. hätte doch ohne dieselben ebenso gut seinen Zweck erreicht. Am andern Tage erhielt ich von Bürgermeister N. ein Schreiben, worin mir ungefähr folgendes mitgeteilt wurde: „Da Sie Ihre Anstalt in eine Heilanstalt umgewandelt haben, werden Sie hierdurch aufgefordert, dieselbe sofort zu schließen und die Patienten zu entlassen.“ Über diese Polizeiverordnung war ich verblüfft; denn ich hatte in meinem Hause nicht die geringste Änderung vorgenommen; alles war so eingerichtet, wie ich es seiner zeit dem Bürgermeister beschrieben und wozu er mir die Genehmigung erteilt hatte.

Der Rat eines Lippischen Rechtsanwaltes führte zur Verschleppung der Wahrnehmung meines Rechts und verschob das Recht zu meinen Ungunsten.

Ich ging sofort zu Rechtsanwalt Sch. in Detmold, legte ihm die Sachlage dar und bat um Rat. Derselbe riet mir, abzuwarten, was kommen würde. Diese Verordnung müsse auf Irrtum beruhen, sei daher völlig bedeutungslos. Um aber jeden Konflikt mit den Behörden zu vermeiden, sei es ratsam, die Patienten zu entlassen, die Badeanstalt und die Behandlung der Patienten aber ruhig weiterzuführen. Sollte ich weitere Verfügungen oder Strafandrohungen erhalten, möchte ich mich sofort an ihn wenden. Von einer Beschwerde bei der Regierung rate er ab. Darauf eilte ich nach Hause und teilte dies meiner Frau und den Patienten mit. Einige siedelten darauf in ein nahegelegenes Gasthaus über, andere reisten ab. Mir war die Sache höchst sonderbar betreffs der Magistratsverfügung, und ich ahnte, daß zwischen dem Bürgermeister N. und seinem Bruder, dem Stadtphysikus Geh. Sanitätsrat Dr. N. ein Einverständnis herrschte, um gegen mich einen Kampf zu eröffnen, der mir meine Berufstätigkeit erschweren oder gänzlich vernichten sollte. Wie ich hörte, hatten Detmolder Ärzte früher schon einen homöopathischen und einen sehr tüchtigen Frauenarzt, die ihnen unbequem geworden waren, auf ähnliche Weise fortzuekeln gesucht. Diesmal glaubte man in mir wieder einen Konkurrenten, der das Naturheilverfahren vertrat, aus dem Wege räumen zu können. Das lag klar vor mir, ich fühlte es; darum beruhigte ich mich trotz aller Beschwichtigungsversuche meiner Frau nicht mit dem Bescheide des Rechtsanwaltes Sch., sondern ging zum Geh. Oberregierungsrat und trug ihm die Sache vor. Derselbe verwies mich, da er soeben Sommerurlaub erhalten hatte, an den Minister. Dieser war aber trotz zweimaligen Aufsuchen nicht zu treffen. Dann ging ich zum Hofmarschall v. L. und bat um Audienz beim Regenten. Dieser war jedoch krank und daher nicht zu sprechen. Ich glaube, die verhängnisvolle Kaierdepesche, die kurz vorher in jener Zeit angekommen und den Regenten tief gekränkt hatte, war die Ursache dieser Krankheit. Ich begab mich dann zu sämtlichen übrigen Rechtsanwälten Detmolds, um mir Rat zu holen. Zuerst zu Rechtsanwalt Asemissen; dieser war längere zeit verreist. Rechtsanwalt Preuß meinte, das seien gewerbliche Angelegenheiten, die zu vertreten er ablehne. Dr. Klasing endlich sagte, ich könne gegen die Verfügung Beschwerde erheben, er rate aber davon ab, ich möchte mich lieber auf gütlichem Wege mit den Behörden, mit dem Bürgermeister und dem Physikus auseinandersetzen. Nirgends aber erfuhr ich, daß man innerhalb 14 Tage Beschwerde gegen eine Polizeiverfügung erheben muß, andernfalls bekommt sie Rechtskraft. Auf der Verfügung war davon auch nichts vermerkt, und ich kannte dies Gesetz nicht. Somit verstrichen 2-4 Wochen. Dann erhielt ich einen Strafbefehl von Mk 84.- mit der Begründung, ich hätte eine Krankenanstalt geführt, zu der ich nicht pflichtgemäß die Konzession eingeholt hätte. Dagegen erhob ich Widerspruch, und Ende September fand der Schöffengerichtstermin statt, worin ich zu genannter Geldstrafe verurteilt wurde, weil ich die Patienten in Pension gehalten hätte. Ich sagte dem Richter, daß mir seiner zeit der Bürgermeister N. auf Ehrenwort versichert habe, zu dem Pensionat für Kurgäste sei die Konzession nicht erforderlich. Darauf wurde ich gefragt, ob ich das schriftlich nachweisen könne, was ich verneinen mußte, weil mir der Bürgermeister dies auf meine Bitte abgeschlagen habe. Dann müssen wir Sie verurteilen,“ meinte der Richter, „vor Gericht gilt nur schriftlicher Ausweis.“ Ich zeigte ihm darauf die Magistratsgenehmigung zur Kuranstalt, die er zu den Akten legte, und sagte, ich würde nur wegen des Pensionats, nicht wegen des Kurbades verurteilt. Dieses sei ich berechtigt weiterzuführen.

Ich führte darauf das Kurbad weiter und legte zugleich Berufung gegen das schöffengerichtliche Urteil ein. Ich reiste nach Lemgo, Hannover und Berlin und holte mir bei tüchtigen Rechtsanwälten Rat. Mir wurde jedoch der Bescheid, daß nach neuerer juristischer Gepflogenheit Pensionate, welche Kranke beherbergen, als Krankenanstalten angesehen würden und konzessionspflichtig wären. Weil ich auf Bürgermeister N.´s Ehrenwort in gutem Glauben an mein zugesichertes Recht gehandelt hatte, so wäre der ganze Prozeß unmöglich gewesen, wenn ich innerhalb 14 Tagen nach der Verfügungszustellung sofort Beschwerde bei der Regierung oder Klage bei dem Verswaltungsamt erhoben hätte, wo meine Frau und der Bürgermeister N. als Zeugen vernommen worden wären. Es hätte sich dann mein offenbares Recht herausgestellt, man hätte mich nicht bestrafen können, sondern nur anhalten, die Konzession nachträglich bei der Regierung nachzusuchen. Wäre mir diese nicht geworden, so hätte ich Bürgermeister N. wegen Schädigung verklagen können; denn er hatte den Fehler gemacht, mich falsch zu beraten und mir Zusicherungen zu geben, wozu nicht er, sondern nur die Regierung berechtigt war. Merkwürdig sei aber, daß der Bürgermeister nachträglich nicht mit seinem gegebenen Ehrenworte für mich eingetreten sei und mich durch seine Schuld slchen Unannehmlichkeiten aussetze. Würde das Gericht auf diese wahre Sachlage Rücksicht nehmen, so würde ich freigesprochen. Das wäre wahrscheinlich gewesen, wenn ich rechtzeitig Beschwerde gegen die Polizeiverfügung erhoben hätte. Da ich dieses versäumt habe, sei mir mein gutes Recht damit aus den Händen gewunden, und es sei kaum einer Verurteilung zu entgehen.

Kammerherr Graf Rittberg, mein Freund und Gönner, riet von Berufung gegen das Urteil ab und empfahl den Begnadigungsweg aus klugen Gründen.

Ich versuchte nun noch einmal, mich an den diensttuenden Kammerherrn, Grafen Rittberg, zu wenden, der das Zivilkabinett des Regenten in Lippe vertritt und bat um Rat. Derselbe sagte mir, er sei vollständig von meiner Unschuld überzeugt, die ganze Sache sei ein vm Zaun gebrochener Kampf der Detmolder Ärzte gegen mich. Da ein Freispruch von der Berufungsinstanz kaum zu erwarten sei, so rate er mir, die Berufung zurückzunehmen und es bei dem schöffengerichtlichen Urteil zu belassen. Gleich nachdem ich die Berufung zurückgezogen hätte, solle ich ein Gnadengesuch beim Grafregenten einreichen; er wolle dasselbe befürworten, und da ich in gutem Galuben gehandelt habe, so sei ich der Begnadigung sicher. Diese wäre dann für mich wertvoller als die juristische Freisprechung, weil nach dieser die gegnerischen Ärzte jenefalls aufs neue gegen mich einen Kampf vom Zaun brechen würden, was nach einer Begnadigung seitens des Regenten aber unwahrscheinlich sei, da man mich dann des Schutzes von oben her sicher wähne. Diesen Rat befolgte ich. Nachdem ich die Berufung zurückgenommen hatte, reichte ich bei dem Landesregenten ein Gnadengesuch ein wegen Straferlasses, da ich im offenbaren Recht war. Zu meiner größten Enttäuschung wurde dieses Gesuch abschlägig beschieden, mit der mir unvergeßlichen kränkenden Begründung, ich habe nicht in gutem Glauben gehandelt, darum müsse es bei dem Urteil sein Bewenden haben. Über diese beleidigende Form des abschlägigen Bescheides habe ich mich derart gegrämt, daß ich an Recht und Gerechtigkeit der Menschen verzweifelte und Tage lang schwer krank war.

Ehrenbürgermeister N. und Regierung, Ministerium, Ärzte, Gericht und Grafregent taten mir weh und enttäuschten mich alle sehr bitter in meinem Rechtsbewußtsein; ich suchte dann moralische Genugtuung und fand sie.

Während dieser Zeit hatte mir aber der Bürgermeister N. eine Strafverfügung über die andere geschickt mit der Begründung, daß ich die Badeanstalt zu schließen habe, weil mir dies in der ersten Verfügung ebenfalls angegeben sei. Ich schrieb ihm darauf, daß mir das Schöffengerichtsurteil nur das Krankenpensionat, nicht aber die Badeanstalt bestritten hab. Nun erst erhielt ich Antwort vom Bürgermeister, ich könne mich bei der Regierung beschwerden. Dies tat ich auch, worauf mir der Bescheid einlief, da der ersten Verfügung innerhalb der gesetzlichen vierzehntätigen Frist nicht widersprochen worden sei, so könne die Regierung die Beschwerde nicht mehr berücksichtigen, die erste Verfügung habe längst Rechtskraft erlangt. Nun ging ich zum Rechtsanwalt Sch., der mich seiner Zeit so mangelhaft beraten hatte, wodurch ich all dieses Unglück nun erleben mußte. Diesem tat es sehr leid, und er reichte  eine Gesuch an das fürstliche Minsterium ein, mit der Bitte um Aufhebung der Magistratsverfügung. Auch von hier kam Anfang Januar 1899, kurz nachdem das Begnadigungsgesuch vom Regenten abschlägig beschieden war, die Nachricht durch den Minister, es ei nichts zu machen, da die gesetzliche vierzehntätige Beschwerdefrist versäumt sei. Damit war ich nicht nur meines Pensionats, sondern auch der Badeanstalt beraubt. Mein Vermögen hatte ich für Kauf des Grundstücks, Herrichtung der Badeanstalt und Möblierung der Pensionszimmer ausgegeben. Alles war mir mit einem Schlage vernichtet, noch dazu von den Rechtsorganen, und zwar ohne meine Schuld. Physikus, Bürgermeister, Gericht, Regierung, Ministerium, Regent erschienen seitdem meinen Augen in einem anderen Lichte, als ich sonst diese Rechts- und Machtorgane gesehen hatte. Tief erschüttert erließ ich ein Rundschreiben mit Fragebogen an über hundert Ärzte, Juristen, Bürgermeister und Direktoren bedeutender Kurorte und erhielt annähernd hundert Antworten, aus denen hervorging, daß ich im Recht sei. Dieses richtete mein Vertrauen zu den Menschen einigermaßen wieder auf. In dieser schweren Zeit suchte meine liebe Frau sich mit der geistigen Welt in Verbindung zu setzen. Sie wurde Schreibmedium. Diese Not, dies erlittene Unrecht, diese Vernichtung unserer Existenz hat sie zum Kultus des Spiritismus getrieben, sie hat mir in schweren Stunden Trost gespendet, treu mitgetragen und mitgelitten. Mich veranlaßte all dies Ungemach, über die Lücken unseres Rechts nachzudenken, und nun begriff ich erst, daß der Staat das Recht nur in Händen solcher Personen ruhen lassen dürfe, die auf hoher ethischer Stufe stehen, daß die edelsten Menschen nur Gesetze machen sollten und daß nur die Besten imstande seien, den Rechtsstand zu vertreten. Fortan arbeitete ich an dem Werke: „Der zukünftige Staat und das zukünftige Recht.“ Ich beschloß die Badeanstalt zu verpachten und mich ganz der Schriftstellerei zu widmen, der Reformarbeit an Ethik, Religion, Philosophie, Psychologie, Heilkunde, Recht und Erziehung. Ich beschloß ferner, auch durch Reisen mit Unterricht und Vorträgen meine Reformen einzuführen.

Zuerst verpachtete ich die Badeanstalt an einen früheren Bademeister in Hagen. Der Mann fing an zu trinken, und die Frau wurde unredlich; das monatliche Pachtgeld bezahlten diese Leute nicht. Sobald sie Geld in die Hände bekamen, vergeudeten sie es unnütz; alle Ratschläge, Empfehlungen usw. nutzten nichts. Es waren Menschen, die desto frecher wurden, je mehr man für sie tat. Je mehr sie verdienten, desto mehr schlemmten sie und vernachlässigten ihre Pflicht. Diese Leute waren absolut nicht zur selbständigen Führung eines Geschäftes befähigt. Ich befand mich auf Vortragsreisen und empfand hellfühlend alle diese unliebsamen Geschehnisse, die mir meine Frau bald briefliche bestätigte. Ich reiste nach Haus und entließ diesen unwürdigen Pächter.

Ein warnendes Hellgesicht über einen Anwärter auf meine Badeanstalt in Detmold.

Gleich darauf schneite sozusagen ein Naturheilkundiger F. aus Uelzen in mein Haus. Ohne jede vorherige Mitteilung besuchte mich der Mann und bat um Rat, da er sich verlobt habe und nun plötzlich in merkwürdiger Weise gegen ihn intrigiert würde, so daß er beabsichtige, seine Praxis in Uelzen, nicht aber die Verlobung aufzugeben. Er bewarb sich nun um Übernahme der Anstalt und bot annehmbaren Pachtzins. Ich machte ihn nun mit dem Kampf bekannt, den ich durchgekämpft hatte und riet ihm, sich einen andern Platz zu suchen. Dieser Mann blieb eine Woche in Detmold. In dieser Zeit studierte ich ihn und fand bei ihm große Fehler mit großen Vorzügen gepaart. Darauf reiste ich nach Uelzen und hörte allgemeines Lob über den Mann. Doch ein Hellgefühl, das ich am andern Morgen in meinem Zimmer in Uelzen hatte, führte, mir mein Haus vor Augen, mit meiner Familie und diesem Mann als Pächter meiner Anstalt. Ich sah im geistigen Gesicht, daß der Mann als Gast meines Hauses einem eingedrungenen Fremdkörper, einem verrosteten Nagel in einem gesunden Organismus gleich war. Ich reiste daraufhin sofort nach Hause, lehnte alle Vermittlungsversuche ab, die seine Braut an micht stellte und bewog den Mann abzureisen, was er auch tat. Später erfuhr ich über seine Vergangenheit sehr unerbauliche Dinge. Als F. von Uelzen fort war, holte man meinen früheren Schüler Meininertz nach dort, der die naturärztliche Praxis in Uelzen mehrere Jahre zur Zufriedenheit durchsetzte. Nun kam ein dritter Mann in mein Haus, namens R., obwohl er keine Zusage auf sein Schreiben erhalten hatte. Er war nach Detmold gereist, um ohne Gehalt in meine Dienste zu treten. Der Mann war plötzlich da. Als ich ihn fortschicken wollte, bat er mich flehentlich, ihn zu behalten. Die erste Zeit war der Mann katzenfreundlich und übertrieben gefällig; doch entdeckte ich bei ihm allerlei mißliche Anlagen. Nach einiger Zeit, nachdem meine Frau mir stets versichert hatte, sie könne gut mit ihm fertig werden, da er geschickt sei, begab ich mich von meinen Vortragsreisen nach Hause und verpachtete R., der früher selbst in Leipzig Kurbadbesitzer gewesen war, meine Anstalt probeweise auf einen Monat.

Ein Bösewicht in meinem Hause, den ich gleich recht beurteilte, täuschte durch Schmeichelei meine Frau und hält sich dadurch Monate in meinem Hause.

Kurze Zeit danach zeigten sich die Anlagen und Triebe, die der Mann bis dato verdeckt hatte, offenbar, und ich suchte durch scharfe Zurechtweisungen über Verfehlungen, die er sich hatte zuschulden kommen lassen, auf ihn einzuwirken. Daruf instruierte ich meine Frau, den Mann scharf im Auge zu behalten und reiste auf Einladung des Vorstandes eines neugegründeten Naturheilvereins in Mülheim a. d. Ruhr dorthin, um einen Vortrag zu halten. Ich sprach über Erkennung von Krankheiten und Charakter aus den Gesichtszügen und fand am Schluß Beifall. Nur ein anwesender Arzt, Dr. med. Quehl, suchte zu opponieren. Trotzdem beteiligte sich der Mann an meinem an diesen Vortrag anschließenden Unterrichtskursus über Psycho-Physiognomik, woran ca. 40 Personen teilnahmen. Ich hielt diese Lehrstunden an den folgenden Abenden ab, redtete und experimentierte mit seltenem Glück.

Die bösen Schickungen trieben mich in die Welt hinaus als Lehrer und Redner und führten zu glänzenden Erfolgen und Anerkennungen in Mülheim a. d. Ruhr, Frühjahr 1899.

Ich hatte zum ersten Male das Bewußtsein nicht nur als vollendeter Meister in meiner Wissenschaft dazustehen, sondern auch von führenden Geistern umgeben zu sein, die mir gewissermaßen als Reformator huldigten. Ich fühlte diesen Lebensberuf so recht in mir und fühlte, wie alles Schickung gewesen war, um mich zu verfeinern, zu vervollkommnen und dann in die Welt hinauszutreiben. Ich fragte nichts mehr nach Badeanstalt und Heilpraxis, ich sah im Abhalten von Lehrvorträgen meinen neuen Lebensberuf. Meine Vorträge hinterließen einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer, und Dr. Quehl war aus einem Saulus ein Paulus geworden. Er war nicht nur überzeugt worden, sondern zählte nun mit zu meinen begeistertesten Anhängern, der für die Mülheimer Zeitung und den Mülheimer Generalanzeiger je einen Artikel über mich und meine Wissenschaft schrieb, die beide als Glanzleistungen schriftstellerischen Könnens, gepaart mit richtiger Beurteilung meiner Person und meiner Lehren, bezeichnet werden können. Als ich diese herrlichen Berichte las, war ich zum ersten Male voll und ganz über das Resultat der Anerkennung befriedigt. Meist wurde ich im Leben mißverstanden, nur meine Frau hatte mich erkannt und verstanden. Nun aber hatte mich auch ein Arzt und eine Gruppe gebildeter Damen und Herren öffentlich anerkannt. Die Folge war, daß aus diesen Anhängern sich ein Huter-Verein in Mülheim a. d. Ruhr bildete, von welchem Dr. Quehl den Vorsitz übernahm. Herr Dr. Quehl hielt den ersten öffentlichen Vortrag über die Ziele und Bestrebungen dieses Vereins, von welchen in der Rhein- und Ruhrzeitung in Dusiburg ein Referat gebracht wurde. Ich selbst hatte reichlichen Zuspruch von Patienten, welche in meiner Anstalt in Detmold während des Sommers 1899 die Kur zu machen beabsichtigten. Zufrieden reiste ich nach Hause. Meine Frau übernahm darauf die Badeanstalt und engagierte meinen früheren Schüler Kirchhof als Masseur und Bademeister, dazu eine tüchtige Masseuse aus Leipzig; und bald blühte die Anstalt wieder auf.

Der Verbrecher und Verleumder R. aus meinem Hause entfernt, wird vom Detmolder Naturheilvereinsvorsitzenden aufgenommen und vom Lehrer X. beim Naturheilverein empfohlen.

Der Pächter mußte entfernt werden, weil er wegen neuer Verfehlungen nicht zu halten war. Merkwürdigerweise wurde dieser Mann, der von mir wegen Betrug, Untreue, Unterschlagung und Verleumdung entlassen werden mußte, von dem Vorsitzenden des Detmolder Naturheilvereins, der das Evangelische Vereinshaus und die darin sich befindliche Badeanstalt leitete, als Bademeister engagiert. R. suchte nun unsere Kurgäste, die zu unserer Anstalt kamen, abzufangen und zu der Badeanstalt des Evangelischen Vereinshauses zu schleppen. Der Lehrer X. führte diesen Mann in den Naturheilverein ein und brachte in der in Detmold erscheinenden Lippischen Landeszeitung lobhudelnde Berichte über ihn. Verschiedene Führer im Naturheilverein triumphierten über diese Konkurrenz, die sie mir durch diesen R. glaubten zufügen zu können. Ich lächelte über diese niedrige Schadenfreude, dachte jedoch auch nicht daran, den R. strafrechtlich zu verfolgen, da ich zu gerichtlichen Laufereien keine Zeit fand. Von R. erfuhr ich bald, daß er ganz tolle Kurpfuschereien verübt hatte und schließlich wegen versuchter Flegeleien gegen eine Offiziersfrau vom Hausvater des Evangelischen Hauses entlassen werden mußte. Der Mann fand immer noch Stütze bei Mitgliedern des Naturheilvereins in Detmold bis er total abgewirtschaftet, von der Polizei verfolgt, plötzlich aus Detmold verschwunden war.

R.´s falsche Anschuldigung führte zur zweiten Inspektion meiner Anstalt und zu neuen Sorgen und Prozessen, in denen ich glänzend siegte.

Über mich hatte dieser Mann verleumderische Briefe an alle mir wohlgesinnten Freunde und Anhänger geschrieben, deren Adressen er hatte habhaft werden können. Schließlich hatte er auch an die Behörde in Detmold eine wissentlich falsche Anschuldigung eingereicht, z.B. daß ich Patienten hypnotisierte, wodurch nach R.´s Meinung die Behörde sich veranlaßt fühlen sollte, mir Schwierigkeiten zu machen. In Wirklichkeit aber war ich Gegner der Hypnose und hatte niemals in meiner Anstalt, noch überhaupt in meiner Praxis, hypnotisiert. Diese Verleumdung bewirkte jedoch, daß Ende Juli 1899 der Physikus Geh. Sanitätsrat Dr. N. unverhofft mit einem Schutzmann in mein Haus kam und meine Anstalt revidierte. Man fand alles in bester Ordnung, doch war die Art und Weise, mit welcher Dr. N. die Revision vornahm, für mich eine schwere Kränkung. Ich mag hier nicht näher darauf eingehen. Nach einiger Zeit wurden meiner Frau und mir je ein Strafmandat von 190 Mk. zugestellt, weil wir vereint eine Badeanstalt geführt hatten, die mir im Jahre vorher untersagt worden sei. Nun war mir ja, wie schon geschildert, die von Bürgermeister N. erteilte Konzession einer Badeanstalt dadurch aus den Händen gewunden, weil ich gegen die völlig aus der Luft gegriffene frühere Polizeiverfügung nicht rechtzeitig Beschwerde oder Klage geführt hatte innerhalb der gesetzlichen vierzehntägigen Frist. Gegen diesen neuen aufgedrungenen Kampf machten wir energisch Front und übergaben dem jungen Rechtsanwalt Schulz, der sich hier niedergelassen hatte, die Vollmacht zu unserer Vertretung. Es wurde gegen die Strafmandate Widerspruch erhoben. Im darauffolgenden Schöffengerichtsurteil wurden wir trotz der besten Verteidigung von demselben Richter, der mich im ersten Prozeß wegen des Krankenpensionats verurteilt, wegen der Badeanstaltsführung aber freigesprochen hatte, nun wegen Führung der Badeanstalt verurteilt. In Wirklichkeit hatte nicht ich, sondern meine Frau die Anstalt geführt, weil ich mich Lehrvorträgen gewidmet hatte. Meine Frau hatte die Anstalt auch ordnungsmäßig angemeldet und die Genehmigung erhalten. Gegen dieses Urteil legten wir Berufung ein. Das Landgericht Detmold verurteilte uns ebenfalls. Darauf legten wir Revision beim Oberlandesgericht in Celle ein. Dies hob das Urteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zu Detmold. Nun wurden seitens der Behörden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um etwas Belastendes zu finden. Polizeibeamte mußten in der Stadt, Gendarmen auf dem Lande wochenlang umhergehen und bei den Patienten und Badegästen nachforschen. Der Erfolg war, daß über alles Erwarten gute Zeugenaussagen von sämtlichen Kur- und Badegästen abgegeben wurden. Trotzdem verurteilte mich das Landgericht zu Detmold zu 50 Mk. Geldstrafe und sprach meine Frau frei. Hiergegen legte ich wieder beim Celler Oberlandesgericht Revision ein und dieses hob das Urteil auf. Inzwischen hatten aber der Bürgermeister N. versucht, uns noch einmal auf dem verwaltungsrechtlichen Wege einen Schlag zu versetzen, den wir glücklich parierten. Er hatte meiner Frau eine Polizeiverfügung zugestellt, gegen die sofort Beschwerde erhoben wurde. Die Verfügung wurde zurückgezogen. Wieder schickte er eine neue Verfügung, gegen dieselbe erhob nun meine Frau Klage beim Verwaltungsamt. Dieses entschied sich aber nicht, sondern ließ die Sache hängen, um das Endresultat des schwebenden Strafprozesses abzuwarten. Da dieses Endresultat für mich und meine Frau ein glänzender Freispruch war, so zog nun Bürgermeister N. die Verfügung zurück, und der Magistrat trug die Kosten des Verwaltungsverfahrens. Die Kosten des Gerichtsprozesses trug die Lippische Staatskasse. Hätte ich seiner Zeit in Hannover und dann auch beim ersten aufgedrungenen Kampf in Detmold solch tüchtigen Rechtsbeistand gehabt, so hätte ich nie und nirgends verurteilt werden können. Diese Prozesse waren offenbar für die Gegner Wasser auf die Mühle gewesen, um uns damit überall zu schädigen.

Wie mich der Lehrer X. im Detmolder Naturheilverein und sonst öffentlich zu verleumden suchte und gegen mich hetzte, was mich zum Austritt aus der Naturheilbewegung veranlaßt hat.

Weit mehr aber, als man im medizinischen Lager gegen mich wühlte, hat man im Lager des Detmolder Naturheilvereins unter der Führung des Lehrers X. mich zu schädigen gesucht. Dieser Mensch fand eine wahre Freude am Verleumden. Er hintertrieb mir das Wohlwollen der maßgebenden Personen in der westfälischen Gruppe der Naturheilvereine und darüber hinaus, so daß ich als Redner von dieser Gruppe, trotz glänzendster Empfehlungen, abgelehnt wurde. Ein Beispiel von dem Treiben dieses Menschen möge hier nur angeführt werden. Ich hatte in der benachbarten Stadt Lage einen Vortrag angekündigt. Über diesen hatte der Lehrer X. in Detmold einen Lehrer Sch. in Lage beauftragt, einen Bericht an alle öffentlichen Blätter zu senden, der eine vernichtende Kritik sein sollte. Der Lehrer Sch. hatte dieses zugemutete Ehrenamt abgelehnt und eienm Lehrer W. die Sache weitergegeben. Ich hielt den Vortrag denselben Abend nicht, sondern erst am nächstfolgenden Montag Abend. Von diesem Vortrag, der glänzend ausfiel, mochte und konnte auch der Lehrer W. nichts Übles berichten. Er gab daher die Sache weiter zu seinen Freund, einen Mühlenbesitzer in Lage; und dieser teilte mir dann das ganze Intriganten spiel des Lehrers X. mit. Er war empört über das hinterhältige Treiben dieses Mannes und schrieb selber für die Lippische Landeszeitung einen guten Bericht über meinen Vortrag, den diese Zeitung auch brachte. Der Besitzer der Lippischen Volkszeitung war ebenfalls erfreut über den Vortrag gewesen und hatte gleichfalls sehr gut darüber referiert. Von zahlreichen Machenschaften, die dieser hoffnungsreiche Schulmeister auch bei der Lippischen Landeszeitung, jedoch ohne Erfolg, versucht hat, sehe ich ab zu berichten. Aber nach außen hin, in der Ferne, bei fremden Personen hat dann dieser Verleumder seinen Einfluß desto mehr geltend zu machen gesucht. Mein Haus war ganz von Spionen umgeben. Zwei Nachbarn standen im Dienst eines gegnerischen Arztes. Gegenüber hatte der Physikus sich ein Haus gekauft, worin in der oberen Etage noch heute eine Aufpasserin wohnt, die in regem Verkehr mit dem Physikus N. stand. Der Naturheilvereinsführer Lehrer X. war alljährlich Delegierter des Detmolder Naturheilvereins zu westfälischen Gruppe der Naturheilvereine. Er war Berichterstatter, und schließlich wurde er Vorsitzender dieses Vereins. Er unterhielt regen Verkehr mit zwei anderen Nachbarn meines Hauses.

Der Abfall charakterschwacher Freunde. Der Sturz vieler Feinde säuberte das Feld und brachte Ruhe. Jetzt erkannte ich, daß alles Unglück Schickung war und ich mit Familie behütet und geführt worden bin von oben.

Trotz dieser Gegnerschaften bin ich mit Frau und Kindern glücklich behütet worden. Ich fand auskömmlichen Verdienst, arbeitete weiter an meinen Werken, und meine Kuranstalt kam immer mehr in Aufnahme. Meine Reisen waren mit Erfolgen gekrönt. Im Herbst 1899 habe ich die Monatsschrift „Hochwart“ gegründet. Ein Gönner im Rheinland streckte mir die Mittel dazu vor. Ein Werk nach dem andern konnte erscheinen. Leider sprang Dr. Quehl in Mülheim a. d. Ruhr, beeinflußt durch Verleumdungen, ab und zog sich von unserer jungen Bewegung zurück. Dr. von Langsdorf, der jahrelang mein Freund war, und auch ein Arzt in Bremen, der mein Anhänger war, wurden von feindlicher Seite ebenfalls von mir abtrünnig gemacht. Kampf und überall vernichtender Kampf umgab mich auch die ersten Jahre in Detmold. Aber die Gegner sanken einer nach dem andern ins Grab. Bürgermeister N. starb an schwerer Krankheit. Eine Spionin in der Nachbarschaft verzog aus Gesundheitsrücksichten. Ein anderer Spion in der Nachbarschaft starb am Schlag. Der Physikus Geh. Sanitätsrat Dr. N. hat seine Stellung als leitender Arzt des Krankenhauses aus hier nicht zu erörternden Gründen aufgegeben. Der Verleumder R. sitzt im Irrenhaus. Warum wohl? Man denke darüber nach. Ich habe keinem dieser Leute das zugefügte Leid mit Bösem vergolten. Nicht einmal habe ich, wenn ich auch allzu berechtigt war, den Strafrichter gegen R. und Konsorten angerufen. Ich habe nur mit meinen Schutzengeln über diese Gegener konferiert. Die abtrünnigen Freund aber erlebten einer nach dem andern, daß sie glühende Kohlen auf ihr Haupt gesammelt haben durch ihr Verlassen einstmals in meiner Not, wo ich ihre Hilfe und ihren Beistand am dringendsten nötig hatte.


XXIII. Kapitel.

Meine Vortragsreisen 1899 und 1900 und die Vereine meiner Schüler. Der erste Vortrag in der Psychologischen Gesellschaft in Berlin am 11. Oktober 1900 und die weitere Entwicklung okkulter Kräfte in mir.

Meine Hellfühl- und Heliodaexperimente und Vorträge 1901 in Wiesbaden, Frankfurt a.M., Düsseldorf usw.

Auf meinen Vortragsreisen suchte ich nach jedem öffentlichen Experimentalvortrage über Menschenkenntnis durch Gesichtsausdruckskunde einen dreiabendlichen Lehrkursus über diese Wissenschaft anzuschließen. Diese Lehrkurse wurden gewöhnlich von 5-20 Teilnehmern besucht. Die Hälfte dieser Schüler abonnierte gewöhnlich auch die "Hochwart", und in manchen Orten schlossen sie sich zu einem Klub zusammen, um meine Lehren zu pflegen und zu verbreiten.

Diese Klubs wurden jedoch meist nach kurzer Zeit ihres Bestehens durch allerlei Gegenströmungen gestört, was die Vorsitzenden müde machte. Zahlreiche derartige aufblühende Vereinigungen lösten sich wieder auf. Das gab schließlich den Anlaß, daß ich im Juni 1901 in Detmold einen Kongreß berief, um eine Zentralorganisation zu schaffen. Es entstand der Hutersche Bund.

Wie meine Frau Schreibmedium wurde und damit in Verkehr mit der geistigen Welt trat.

Während meiner Abwesendheit vom Hause hatte meine liebe Frau die Badeanstalt unter Mithilfe eines Bademeisters geführt. Die Anstalt wurde meist nur schwach besucht, und die Einnahmen waren daher sehr gering. Ich mußte meine Familie mit meinen mühseligen Ersparnissen von der Reise mitunter unterstützen. Diese Zeit der knappen Einnahmen, der Sorgen und Ängstigungen um unsere Zukunft war auch für meine liebe Frau eine Zeit der Prüfung, aber sie verlor nie den Glauben an die Führungen edler Geister, die uns über alle Kümmernisse hinweghelfen würden. Zweimal hielt sie allwöchentlich in ihrem stillen Kämmerlein eine Sitzung ab, wo ihr durch die Feder herrliche Trostworte diktiert wurden. Manche Winke, Ratschläge und Prophezeiungen erhielt sie von oben, und letztere gingen stets in Erfüllung. Dieses veranlaßte mich, die Niederschriften zu sammeln; und obgleich ich anfangs der Mediumschaft meiner Frau recht ungläubig gegenüberstand, da ich annahm, es läge eine gutgläubige Selbsttäuschung vor, eine Art unbewußter Autosuggestion der Psyche meiner Frau, so wurde ich durch die oft überraschenden monatelangen Voraussagen, die sich verwirklichten, dazu gebracht, die Eingebung zu den Niederschriften seitens geistiger Wesen anzunehmen.

Mitteilungen der Geister durch meine Frau, daß ich hellfühlend werden würde und sich sonst neue magische Kräfte in mir entwickeln.

Lange Zeit vorher z.B. ehe ich hellfühlend und fernfühlend wurde, wurde dies meiner Frau von Geistern mitgeteilt. Schon im Jahre 1899 erhielt meine Frau die ersten Mitteilungen darüber, daß sich bei mir nach dieser Richtung hin okkulte Kräfte entwickeln würden, die ich im Dienste der Krankenheilung und wissenschaftlichen Forschung verwenden sollte.

Ein verblüffendes Hellfühlexperiment, das zum willkürlichen geistigen Schauen führte.

Das erste derartige verblüffende Experiment gelang im Frühling in Mülheim a. Ruhr während meines Lehrkurses. Herr Dr. med. Quehl, als Teilnehmer desselben, stellte, nachdem ich ihm aus seinen Gesichtszügen unter anderem berechnet hatte, daß er für Schriftstellerei Talent habe, die Frage, für welches Fach er sich eigne, ob für lyrische, epische oder dramatische Dichtungen. Diese Frage nach den Gesichtszügen zu berechnen und zu beantworten, schien mir fast unmöglich, da Dr. Quehl auch alle etwaigen Vorzüge und Nachteile in dem einen oder anderen Fache seiner dichterischen Beanlagung von mir wissen wollte. Ich bat darauf den Herrn, sich neben mich zu setzen, was geschah. Ich schloß nun die Augen ganz instinktiv und suchte das ganze körperliche und geistige Bild des Dr. Quehl in mich aufzunehmen. Es war ein merkwürdiger Vorgang. In diesem geistig magischen Anschauungsprozeß war ich das tätige Subjekt und Dr. Quehl das Untersuchungsobjekt. Ich maß hierbei wie mit inneren Fühlmessern das ganze Wesen meines Untersuchungsobjektes aus und beschrieb nach ungefähr 5-10 Minuten genau die Art der schriftstellerischen Fähigkeit und Tätigkeit des Dr. Quehl, die er sich notierte und vor der ganzen Versammlung bestätigte. Am anderen Tage sagte mir Herr Dr. Quehl, daß er bis spät in die Nacht hinein alle Kritiken gelesen habe, die über seine schöngeistigen Schöpfungen veröffentlicht worden seien, und er habe eine merkwürdige Übereinstimmung mit meinem psycho-physiognomischen Urteil herausgefunden. Dr. Quehl war der Meinung, ich hätte dies alles aus seiner Physiognomie berechnet; in Wirklichkeit war diese Beurteilung eine Abweichung von den übrigen, sie war eine durch Hellfühlen hervorgerufene und außerordentlich gut gelungene. Ich selbst hatte vorher keine Kenntnis von dem schriftstellerischen Können dieses Arztes. Seit dieser Zeit beobachtete ich öfter bei mir ganz spontane Hellfühlbilder, wenn jemand sich auf Krankheit oder Charakter physiognomisch untersuchen lassen wollte. Ich fand ohne sogenannte physiognomische und mimische Gesichtsstudien sehr oft sofort, wie eingegeben, den Sitz und die Art des Leidens, die Krankheitsursachen oder auch Charakterzüge usw. derart genau und zutreffend, daß ich total überrascht war, wenn der Betreffende meine Aussagen mit Verblüffung bestätigte.

Im Winter und dann im Frühling 1900 hielt ich in Frankfurt a. M. Vorträge und wohnte in einer Pension am Goetheplatz. Hier besuchte mich eines Tages ein Herr, welcher seine Anlagen psycho-physognomisch beurteilen ließ. Der Mann war selbst von dem Resultat überrascht und meinte, es müsse wohl bei mir noch eine andere Kraft mitwirken, unmöglich könne ich das alles aus dem Gesichte lesen. Ich gab zu, daß ich dies bei mir wiederholt beobachtet hätte, und daß ich von dem materiellen, naturwissenchaftlichen Berechnen und Beurteilen des Körpers und Gesichts das rein magische, psychometrische wohl zu unterscheiden gelernt hätte.

Die ersten überraschenden Hellfühlexperimente an Ringen in Frankfurt a. M., veranlaßt von einem Freunde des Professors Kraft Ebing in Wien.

Der Herr erklärte, ein Freund des berühmten Professors Kraft Ebing in Wien zu sein, er wolle denselben veranlassen, meine rätselhaften Kräfte wissenschaftlich zu untersuchen und darüber etwas zu veröffentlichen. Er gab mir darauf einen Ring und bat, ich möchte denselben lose in meiner Hand halten und sagen, welche Eindrücke ich von diesem Ring erhalte. Ich kam dem Wunsche nach und fühlte bei verschlossenen Augen aus diesem Ringe heraus, welche besonderen Erlebnisse der Träger dieses Ringes in den letzten zwei Jahren gehabt hatte. Der Mann war über die zutreffenden Aussagen erstaunt, eilte nach Hause und holte seine Frau. Die Frau des Herrn gab mir nun ebenfalls ihren Ring. Ich schloß die Augen und erzählte das, was ich aus dem Ringe fühlte, den ganzen Krankheitszustand der Frau derart genau, daß nicht nur Mann und Frau staunten, sondern auch ich überrascht war, als alles bestätigt wurde..

Fünf Hellfühlexperimente an homöopathischen Arzneien, veranlaßt durch den hervorragenden homöo-pathishen Forscher Herrn Lehrer Heinrich Eisenkopf in Wiesbaden.

Einige Zeit später erzählte ich dies meinem Freunde, dem Lehrer Heinrich Eisenkopf in Wiesbaden. Derselbe war ein ausgezeichneter Kenner und nebenbei auch Praktiker der homöopathischen Heilmethode. Er meinte, es ließen sich vielleicht auf diesem Wege die Wirkungen der verschiedenen homöopathischen Arzneien feststellen und zugleich beweisen, daß die Homöopathie eine richtige Methode sei. Er bat mich, zu solchen Experimenten in seine Wohnung zu kommen, was ich zusagte. Ich verstand von der Homöopathie bis dahin nichts und kannte weder die Mittel noch ihre Wirkungen. Mein Freund gab mir nun etwas in Papier Eingewickeltes in die Hand und fragte, was ich fühle. Ich fühlte darauf unwillkürlich eine Einwirkung auf meine Gehirnhaut, welche ich ihm genau beschrieb. Er lächelte darauf, sagte, es sei gut, öffnete das Papier, nahm ein kleines mit weißen Körnern gefülltes Gläschen heraus und erklärte mir, das sei das spezifische Heilmittel der Homöopathie, das auf die Gehirnhaut wirke und bei derartigen Krankheiten gegeben würde. Darauf gab er mir ein anderes in Papier gewickeltes Gläschen in die Hand, worauf ich leichte Schmerzen in den Sehnen der Arme und in den Handgelenken bekam. Mein Freund erklärte, das Mittel in meiner Hand sei das gewöhnliche gegen Sehnenentzündung und Gelenkrheumatismus. Mein Freund Eisenkopf gab mir ein drittes Mittel, sofort fühlte ich Herzaffektion, es war ein Herzmittel. Ein viertes verursachte bei mir Tiefatmungen, es war ein Mittel gegen Lungenkrankheiten. Schließlich zeigte sich bei einem fünften, mir ebenfalls unbekannten Präparate, was er mir in die Hand gab, Stuhldrang, es war ein homöopathisches Abführmittel. Diese Experimente waren sämtlich gelungen, was meinen Freund hoch erfreute, da er den Beweis für die Richtigkeit der homöopathischen Arzneilehre, außer durch Erfahrung an den Kranken, nun auch durch magische Hellfühlexperimente für erbracht hielt. Er suchte sich nun mit einem Chemiker und einem Arzt in Verbindung zu setzen, um diese für mich zu interessieren; es fand auch eine Sitzung mit guten Resultaten bei diesen Herren statt; aber beide Herren schienen die Tragweite der Entdeckung dieser Kraft nicht zu übersehen. Nur der Chemiker Dr. E. gewann großes Interesse an meinen Krankenuntersuchungen durch Heliodastrahlen, weniger für die durch Hellfühlen an Gegenständen eines Kranken. Dies schien ihm zu dunkel und unheimlich.

Heilung eines schweren Zahnleidens mit starker Geschwulst durch 12 heliodische Striche in einem öffent-lichen Vortrage im Rathaussaal zu Wiesbaden.

Über Magnetismus, Od, Helioda, Suggestion und Hypnotismus sprach ich dann in einem öffentlichen Vortrage im Rathaussaale zu Wiesbaden und experimentierte mit glänzenden Beweisen. Ich heilte während dieses Vortrages einen mir unbekannten Herrn B. von Zahnschmerzen mit zwölf Strichen, ohne Berührung seines Körpers, und nach wenigen Tagen war auch die Geschwulst beseitigt. Der Herr hatte drei Wochen an Zahnschmerzen, Zahngeschwür und geschwollener Backe gelitten. Das Experiment überzeugte sogar anwesende Ärzte; doch fand sich nur einer darunter, Oberstabsarzt Dr. B., der mich besuchte und mir seine Anerkennung aussprach.

Trübe Erfahrungen über Charakter und Leistungen vieler Magnetopathen.

Merkwürdigerweise riefen diese verblüffenden öffentlichen Experimente bei zwei praktizierenden Magnetopathen in Wiesbaden, die beide nicht im entferntesten gleiche Experimente nachzumachen imstande waren, einen ekelhaften Neid hervor, und statt Anerkennung erntete ich von diesen Leuten Intrigen, weil sie glaubten, ich könnte ihnen ev. Konkurenz machen, wenn ich mich in Wiesbaden niederlassen würde. Die niedrigste, egoistische Interessenwirtschaft lernte ich hier kennen, und das bewog mich, mich künftig von den sogenannten Magnetopathen fernzuhalten, denen ich bis dahin zur Anerkennung verhelfen wollte. Später überzeugte ich mich noch mehr von der unedlen Natur vieler Magnetopathen, die allen idealen, wissenschaftlichen Bestrebungen unzugänglich waren.

Im Sommer 1900 setzte ich meine Hellfühlversuche zu Haus fort, experimentierte mit Kranken, mit Gegenständen usw. und heilte mit Helioda schwere Krankheitsfälle. Aus Briefen, welche mir überbracht wurden, fühlte ich den Inhalt heraus, ja selbst den Willen, den Charakter des Briefschreibers. In verschlossenen Holzkästen fühlte ich metallische Gegenstände, auf Reisen fühlte ich , gleichviel, ob ich ging oder mit der Bahn fuhr, die Stein- und Erzlager der betreffenden Gegenden heraus. - Über Magnetismus, Od und Helioda stellte ich eingehende Forschungen an und lernte immer schärfer das Od von den Heliodastrahlen zu unterscheiden. Dieses führte mich später dazu, eine Reihe belehrender Artikel über diese Forschungen für die "Hochwart" zu verfassen, woran sich auch ein Artikel von Eisenkopf über meine Hellfühlexperimente anschloß.

Für den 11. Oktober 1900 war ich zu einem Vortrag in der Psychologischen Gesellschaft in Berlin eingeladen, und zwar von dem Vorsitzenden dieser Gesellschaft, Herrn Professor Dessoir, selbst. Das Thema lautete: "Neue Grundlagen einer wissenschaftlichen Physiognomik".

Levitating Stone
(Hinzugefügt)


Erstellt 1994 und September 2006. Update 22. März 2007.
© Medical-Manager Wolfgang Timm
Fortsetzung

Die  Kronen symbolisieren die höhere Natur in jedem Menschen, sein individueller potentieller innerer Adel. Jedermann ist verpflichtet seinen inneren Adel nach Albrecht Dürer und Carl Huter zu heben. Bearbeitung: Medical-Manager Wolfgang Timm
 
Steht der Kampf um die Macht bevor?
Innere Erschließung einer höheren geistigen Welt aufgrund selbsterlebter Tatsachen